Auf dem Weg zum Weltkulturerbe

von Redaktion

VON KLAUS VICK

Es ist ein langer Weg bis zum Adelstitel „Weltkulturerbe“. Aber immerhin ist München mit seiner Bewerbung für den Olympiapark nun „einen Schritt weitergekommen“, wie es Stadtbaurätin Elisabeth Merk gestern ausdrückte. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützt den Antrag der Stadt nämlich nachdrücklich und sieht gute Chancen im Bewerbungsverfahren. Merk hält dies für „eine bedeutsame Etappe“.

Der werden allerdings noch einige folgen. Denn erst 2023 wird sich die nationale Kultusministerkonferenz auf deutsche Vorschläge für die Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste festlegen. In welcher Zeitschiene die Unesco entscheidet, ist schwer absehbar. „Wir denken eher in Dekaden“, sagte der deutsche Icomos-Präsident Jörg Haspel bei der Pressekonferenz am Montag. Frühestens im Sommer 2026, heißt es, könnte die Entscheidung fallen. Icomos berät die Unesco bei der Auswahl neuer Weltkulturerbestätten.

Und Raspel sieht viele positive Aspekte bei der Bewerbung Münchens. Denn das Thema Sport sei bisher „einer der blinden Flecke“ im Kanon der aktuell 1120 Welterbestätten (davon 46 in Deutschland). Größtenteils handelt es sich hier um Kathedralen oder Tempel, um Altstädte oder faszinierende Naturdenkmäler. Im Bereich Sport hat die Unesco einzig die antiken Wettkampfstätten von Olympia in den Rang eines Welterbes erhoben – doch noch kein Ensemble aus der Neuzeit. Mit Ausnahme des Olympiastadions in Mexiko-City, das am Rande des 2007 in die Welterbeliste aufgenommenen Universitätscampus der Stadt liegt.

München könnte diese Lücke füllen, weil der Olympiapark im Vergleich zu anderen internationalen Sportstätten mehrere Vorzüge vereint. Es gibt eine einzigartige Verbindung von Landschaft und Architektur mit dem markanten Zeltdach als Pionierleistung. Ferner wird das Gelände auch 50 Jahre nach Olympia weiterhin als Freizeit- und Veranstaltungsstätte genutzt. Und auf abstrakter Ebene ist der Olympiapark ein Symbol für demokratische Haltung und menschliche Maßstäbe. Die Icomos-Kommission hatte sich im November 2019 mit dem modernen Erbe der Olympischen Spiele befasst. Unter der Überschrift: „Historische Sportstätten zwischen Konservierung und Konversion.“ Erst jetzt wurden die Ergebnisse präsentiert.

Marion Schöne, Chefin der Olympiapark-GmbH, sprach gestern von „einer der weltweit am besten nachgenutzten Stätten“. Im Jahr 2019 habe es 400 Veranstaltungen gegeben, vier Millionen Menschen hätten den Olympiapark besucht. Schöne betonte: „Wir wollen weiterhin einen lebendigen Park und kein Museum.“ Merk zufolge benötigt München den Titel Weltkulturerbe nicht aus touristischen Motiven. Es gehe vielmehr darum, die außerordentliche Leistung beim Bau des Olympiaparks zu würdigen und im Bewusstsein der Bürger zu verankern: „Wir wollen das Erbe für die nächsten Generationen lebendig erhalten.“

Icomos-Präsident Haspel bezeichnete den verstorbenen Münchner Alt-OB Hans-Jochen Vogel (SPD) als einen „der großen Mentoren und Impulsgeber“ für die Bewerbung Münchens. Vogel hatte großen Anteil daran, dass München 1972 den Zuschlag für Olympia bekam. Noch im hohen Alter von über 90 Jahren warb er intensiv für die Idee, den Olympiapark zum Weltkulturerbe zu erklären. 2026 wäre Vogel 100 Jahre alt geworden. Ob es bis dahin mit dieser Krönung klappt?

Die Regatta-Anlage in Oberschleißheim soll – Stand jetzt – nicht Teil des Weltkulturerbes werden. Das gefällt nicht jedem. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Sabine Weigand erklärte: „Es ist schwer vorstellbar, dass man die wunderschöne denkmalgeschützte und intensiv genutzte Regatta-Anlage verkommen lässt, während der Münchner Teil Weltkulturerbe-Status erhalten soll.“ Auch auf der Regatta-Anlage könne man noch heute den olympischen Gedanken von 1972 atmen.

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