Spendenkönig Stavros

von Redaktion

Der Strippenzieher sammelt 900 000 Euro für die Opfer der Flutkatastrophe

VON MARIA ZSOLNAY

Warum bleiben alle Leute brav sitzen und applaudieren auch noch, wenn ihnen Stavros Kostantinidis buchstäblich das Geld aus der Tasche zieht? Weil der Rechtsanwalt es so charmant und unterhaltsam macht wie ein Magier im Zirkus. Ein Magier ist er auch, denn wie kein anderer hat er ein Netzwerk von Mächtigen geschaffen, in dem dabei zu sein pures Vergnügen ist. Wie am Montagabend, dem 2. August und damit Kostantinidis’ Geburtstag. 55 Jahre wird er alt – nein jung – und feiert das mit seinen liebsten, engsten 150 Freunden im Garten des griechischen Restaurants „Kytaro“ in Schwabing.

Und ja, alles nach Corona-Vorschrift, jeder hat seinen gelben Impfausweis in der Hosentasche oder digital auf dem Handy. „Wir haben hier heute eine Herdenimmunität“, scherzt der Gastgeber in seiner Begrüßungsrede. Dann wird es ernst – er geht durch die Reihen und bittet um Spenden. Aber nichts, was man mal so schnell im Geldbeutel hat: „50 000 Euro“ sagt „Gieseke-&-Devrient“-Chef Ralf Wintergerst gleich zu Beginn – und erntet ein anerkennendes Raunen.

Nach wenigen Minuten hat Stavros Kostantinidis 435 000 Euro eingesammelt, Wintergerst rundet auf 450 000 auf – und Professor Klaus Lutz verdoppelt. Der BayWa-Chef und neue Präsident der Industrie- und Handelskammer kennt sich bestens aus beim Zahlenjonglieren – außerdem ist er Kostantinidis’ Trauzeuge. Da muss man schon mal tiefer in die Tasche greifen. Am Schluss stehen 900 000 Euro auf dem Scheck, den die BayWa-Stiftung für die Flutopfer in Berchtesgaden einsetzt. „Und zwar jeden einzelnen Cent – es geht nichts ab an Verwaltungskosten“, verspricht Lutz.

Abgesehen von der unglaublichen Spendensumme – was schenkt man einem, der am liebsten gibt? Wein aus Franken bringt Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im schmucken Karton mit. Ein paar Blümchen bekommt er überreicht, Münchens Zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) hat sich für ein Likörchen von Dallmayr entschieden, seine Ehefrau Saskia für eine sehr schmucke Armbanduhr mit dunkelblauem Ziffernblatt. Aber das ist ihm schon wieder ein wenig peinlich: nein, nicht so viel Aufhebens um seine Person machen, die anderen sind doch die wichtigen.

Etwa der neue, sympathische US-Generalkonsul Timothy Liston, der vor seinem offiziellen Antritt zu Stavros Kostantinidis kommt. Weil hier sie eh alle sind: Dr. Theo Waigel, Georg Eisenreich, Kerstin Schreyer, Dorothee Bär, Dauer-Talker Erich Lejeune, Unternehmer Werner Mürz (ohne Glamour-Ehefrau Viktoria Swarovski), HypoVereinsbank-Chef Michael Diederich, Markus Höhn (Lodenfrey), Markus Vitt (Donner & Reuschel), Stefan Oschmann (Merck Group) – und, für Stavros ganz wichtig: seine Schwiegermama Sieglinde Greipl die nie fehlen darf bei seinen wirklich magischen Festen.

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