Skandal um Blanko-Testnachweis

von Redaktion

VON PHILLIP PLESCH

Einen Corona-Testbescheid hatten in den vergangenen Monaten wohl schon die meisten in der Hand. So weit nichts Ungewöhnliches. Thorsten M. aber dachte, er sieht nicht recht, als er vergangene Woche den Nachweis einer kostenlosen Teststelle vor sich hatte. Denn der Bescheid ist leer, bis auf zwei Punkte, die bereits vorab ausgefüllt wurden: der Hinweis, dass ein Antigen-Schnelltest gemacht wurde. Und ein negatives Ergebnis. M. macht umgehend ein Foto, um die dreiste Masche zu dokumentieren. Denn ein Test wurde ja gar nicht gemacht.

Der Münchner schimpft: „Solche Betrüger dürfen nicht damit durchkommen.“ Immerhin könnte er den gestempelten und unterschriebenen Nachweis nun beliebig oft kopieren, sich immer wieder selbst als negativ getestet ausstellen oder ihn sogar weitergeben.

Als das Gesundheitsreferat von der Sache erfährt, handelt es schnell. Noch am gleichen Tag kommt die Mitteilung, dass es „die vertragliche Beauftragung sämtlicher durch den Betreiber betriebenen Teststellen im Stadtgebiet der Landeshauptstadt München mit sofortiger Wirkung für die Zukunft widerrufen“ habe. Für den Betreiber heißt das, alle Teststationen werden geschlossen und bleiben fürs Erste zu.

Der Widerruf sei „aufgrund der Ausstellung des Blanko-Testnachweises und der damit einhergehenden Missbrauchs- sowie Infektionsgefahr“ erfolgt, heißt es in der Mitteilung des Gesundheitsreferats weiter.

Schon am nächsten Tag ist die Teststelle in Au-Haidhausen verwaist. Die Türen sind verschlossen. Zuletzt waren noch vier Teststellen des Betreibers aktiv. Zur Hochphase waren es gar zehn, die seit Ende April nach und nach errichtet worden waren.

Der Betreiber, an dessen Teststelle das Blanko-Formular ausgestellt worden sein soll, fällt aus allen Wolken. „Wir wurden ebenso mit diesem Vorfall überrascht“, heißt es auf Merkur-Nachfrage. „Welche/r Mitarbeiter/in dafür verantwortlich ist, wissen wir noch nicht.“ Mehr wollte der Betreiber nicht sagen. Und auch das Gesundheitsreferat hält sich zu weiteren Fragen bedeckt: „Aufgrund des laufenden Verfahrens können wir dazu keine Auskunft geben.“

Thorsten M. aber ist erleichtert, dass der mutmaßliche Betrug erst einmal gestoppt wurde. Ob es sich bei der dreisten Testnachweis-Nummer um einen Einzelfall handelt oder ob schon viele Blanko-Formulare in der Stadt unterwegs sind, ist unklar. Dem Gesundheitsreferat ist ein weiterer Fall jedenfalls derzeit noch nicht bekannt. „Aber wenn wir Hinweise aus der Bevölkerung bekommen, nehmen wir die ernst und gehen denen nach“, versichert eine Sprecherin.

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