Die Bundestagswahl ist spannend, wie schon lange nicht. Und was vor ein paar Wochen noch niemand für möglich gehalten hätte: Ein Sozialdemokrat kann Kanzler werden. Ein Gespräch mit OB Dieter Reiter, (63, SPD).
Herr Reiter, hätten Sie gedacht, es noch einmal zu erleben, dass ein Sozialdemokrat Bundeskanzler werden kann?
Erwartet ist vielleicht zu viel, aber gehofft immer.
Wie kommt es, dass plötzlich ein SPD-Kanzler möglich ist, liegt es an der Schwäche der anderen oder wie hat Olaf Scholz die Wende geschafft?
Olaf Scholz macht das richtig gut, ihm trauen die Wähler zu, Kanzler der Bundesrepublik zu sein und unser Land gut zu führen.
Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zu Scholz?
Wir kennen uns seit Langem, seit seiner Zeit als Erster Bürgermeister von Hamburg, und wir haben regelmäßig Kontakt.
Sehen Sie Chancen, dass die Sozialdemokraten ein Direktmandat in München erobern? Wer hätte die besten Chancen?
Klar, Chancen gibt es immer.
Was würden Sie von einer SPD-geführten Regierung erwarten, um konkret etwas für die Münchner Bürger bewirken zu können?
Da gibt es viele Punkte, die eine starke SPD umsetzen könnte: Zum Beispiel eine deutliche Verbesserung des Mieterschutzes, eine bessere Rentenpolitik, bessere finanzielle Ausstattung des Öffentlichen Personennahverkehrs – oder einfach die Sorgen der Menschen wieder mehr im Blick haben.
Welche Koalition würden Sie nach der Wahl bevorzugen und welche Koalition würden Sie für Ihre Partei definitiv ausschließen?
(lacht) Am liebsten wäre mir die absolute Mehrheit für die SPD – aber im Ernst: Darüber kann man sinnvoll erst nach der Wahl nachdenken. Eins ist aber klar, die AfD scheidet als Partner aus. Persönlich tue ich mich auch mit den Positionen der Linken, beispielsweise ihrer Forderung nach einem Austritt aus der Nato, sehr schwer.
Sie hatten vor einer Weile die Einrichtung eines Kommunalministeriums gefordert, damit die Belange der Kommunen im Bund mehr Gehör finden. Gesetzt den Fall, es käme so und der Ruf würde Sie dann ereilen, würden Sie auch als Minister nach Berlin gehen?
Ich bin gerne OB in München und kann mir kaum vorstellen, dass meine Frau und ich unseren Lebensmittelpunkt nach Berlin verlegen.
Das Gespräch führten Klaus Vick und Sascha Karowski