Die Stones ohne ihn? Undenkbar!

von Redaktion

Moderator und Rock-Kenner Fritz Egner (72) über seine Begnungen mit der Kult-Band

Herr Egner, Sie begleiten die Stones seit Jahrzehnten. Haben Sie Charlie Watts auch mal persönlich getroffen?

Ja, einmal sehr kurz. Ich war vor vielen Jahren, genau kann ich es nicht mehr sagen, bei einem Soundcheck in London dabei und wartete auf Mick Jagger. Da kam Charlie Watts auf mich zu, schüttelte mir die Hand und sagte ganz Gentleman-like: „Pleased to meet you, Sir. How are you?“ Und dann hat er sich wieder entfernt (lacht). Später habe ich Mick gefragt, ob er, also Charlie, schlecht drauf ist. Und der meinte nur: „Ne ne, der ist immer so.“

Diese Anekdote sagt eine Menge aus über den Charakter von Charlie Watts. Er war der Zurückhaltendste von allen.

Ja, das stimmt. Er war immer etwas schweigsam, konzentrierte sich ganz auf die Arbeit. Aber er konnte auch anders, wie mir Keith Richards einmal bestätigt hat. Als Charlie Watts mitbekam, dass Mick nach einem Konzert im Hotel fragte: „Wo ist mein Drummer?“, da ist Charlie ungestüm auf ihn zu, packte ihn am Kragen und sagte: „Merk dir eines: Ich bin der Drummer. Und du bist mein Sänger.“ Die Beziehung der beiden war sicher nicht frei von Spannungen, aber am Ende haben sie sich immer wieder zusammengerauft.

Die Stones waren oft in München…

Ja, aber da hat man Charlie Watts eigentlich nie wirklich gesehen. Während die anderen feierten, ging er immer sofort ins Hotelzimmer. Er hat sich auch Angeboten von Groupies grundsätzlich widersetzt. Er war einer, der an solchen Abenden die Einsamkeit vorgezogen hat. Er war einfach der Andere in dieser Rock’n’Roll-Welt. Paul McCartney hat ihn als den Fels in der Brandung der Band bezeichnet. Und das trifft es sehr gut. Was mir allerdings auch immer aufgefallen ist: Wenn man Charlie Watts auf der Bühne beobachtet hat, hatte man manchmal das Gefühl, er ist nicht ganz freiwillig bei der Band.

Inwiefern?

Das Gekreische der Fans ist ihm eigentlich immer auf die Nerven gegangen. Er war eher der leisere Typ, kam vom Jazz. Da lag sein musikalisches Herz – und nicht bei „Satisfaction“.

Können Sie sich die Stones ohne Charlie Watts vorstellen?

Das ist eigentlich unvorstellbar. Aber ich habe Mick genau das auch einmal gefragt. Und seine Antwort war: Charlie ist nicht zu ersetzen. Aber man darf nicht vergessen, um die Stones zu zitieren: It’s only Rock’n’Roll. Aber man kann es ergänzen: Es ist auch ein großes Business. Es gibt langfristige Verträge. Sie haben jetzt bei der US-Tournee ja auch schon krankheitsbedingt ohne Charlie Watts gespielt. Steve Jordan hat ihn da ersetzt und er hat eine lange Beziehung zu den Stones. Da könnte ich mir schon vorstellen, dass die Stones – nach einer gewissen Pause – mit ihm weiter bestehen könnten. Aber das ist reine Spekulation.

Interview: Stefanie Thyssen

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