Konflikte zwischen Vater und Sohn gibt es wohl in jeder Familie einmal. Mitunter mag es dabei laut werden. Doch dass Blut fließt und sogar die Wohnung verwüstet wird, gehört gewiss zu den absoluten Ausnahmen. Beamte der Münchner Polizei waren am Mittwochvormittag mit einem solchen Fall konfrontiert.
Einen Streit, bei dem es Verletzte gegeben habe, hatten Anrufer aus Berg am Laim per Notruf gemeldet. Neben dem Rettungsdienst wurden deshalb gleich auch mehrere Streifenwagen an die Jella-Lepman-Straße beordert.
Schon die ersten Beamten, die am Einsatzort eintrafen, erkannten, dass die Anrufer nicht übertrieben hatten: Ein aus mehreren Wunden blutender junger Mann, der eine Eisenstange in der Hand trug, lief auf ihren Streifenwagen zu. Doch was auf den ersten Blick wie ein Angriff aussah, war wohl eher eine Flucht in die Arme der Polizei. Denn der 19-Jährige wurde von einem Mann verfolgt, der ebenfalls mit einer Eisenstange bewaffnet war und damit offenbar auch schon zugeschlagen hatte.
Den Beamten gelang es, beide Männer festzunehmen und zu entwaffnen. Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass es sich um Vater und Sohn handelte. Und der Sohn war in diesem Fall der Unterlegene: Er musste mit Verdacht auf Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden, während der 48-jährige Vater nach kurzer Behandlung wieder entlassen wurde.
Warum die beiden Männer in der gemeinsamen Wohnung derart in Rage geraten waren, hat die Polizei noch nicht herausgefunden. Fest steht allerdings, dass sie mit den Eisenstangen nicht nur aufeinander losgingen, sondern auch das Mobiliar kurz und klein schlugen. Bei dem Streit, so vermerkt der Polizeibericht, „wurde fast die gesamte Wohnungseinrichtung zerstört“.
Nun dürfte bei Vater und Sohn Katzenjammer angesagt sein – nicht nur wegen schmerzhafter Blessuren und einer demolierten Wohnung. Auch ein juristisches Nachspiel blüht den beiden Streithähnen. Wie die Polizei am Donnerstag bekannt gab, wird gegen beide wegen einer wechselseitigen gefährlichen Körperverletzung ermittelt. PETER T. SCHMIDT