München testet wieder

von Redaktion

VON PHILLIP PLESCH

Wer diese Woche in der Stadt unterwegs war, dürfte sich mancherorts über lange Schlangen vor Apotheken und Teststellen gewundert haben. Denn München testet wieder. Nachdem am Montag die 3G-Regel in Kraft getreten ist, haben Antigen-Schnelltests wieder an Bedeutung gewonnen. Zur Erinnerung: Jeder, der nicht geimpft oder genesen ist, braucht einen negativen Testnachweis, wenn er zum Beispiel ins Restaurant oder Kino möchte – oder zum Friseur.

„Ja, durch die 3G-Regel ist die Nachfrage nach Antigen-Schnelltests in die Höhe geschossen“, bestätigt Josef Kammermeier, stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbandes. Den Eindruck unterstreichen auch die Münchner Apotheker. „Wir merken seit Montag eine vermehrte Nachfrage“, berichtet Barbara Stempel, Inhaberin der Schützen-Apotheke. Und das, obwohl die Tests hier seit Anfang August nicht mehr kostenlos sind, sondern 14,95 Euro kosten. Das Angebot werde genutzt, beteuert Stempel. Vor allem von denen, die sich nicht lange in eine Schlange stellen wollen.

Ein wenig warten muss man bei der Internationalen Ludwigs-Apotheke. Im Akkord testet eine Mitarbeiterin im Hinterhof die Passanten. Der Andrang ist groß. Gleiches gilt für die Internationale Apotheke am Hauptbahnhof und die Rathaus-Apotheke mit eigener Teststation. Die Nachfrage nach Tests hat dieses Jahr eine Wellenbewegung durchgemacht. „Im Frühjahr war die Nachfrage hoch“, sagt Kammermeier rückblickend. Manche Apotheken hätten pro Monat tausende Tests gemacht. Als im Sommer die Inzidenzen sanken, fiel das Interesse an den Testmöglichkeiten. „Man hat sie nicht gebraucht“, erklärt der Apotheker.

Das ist jetzt anders. Durch die 3G-Regel ist die Nachfrage nach Corona-Tests hoch. Immerhin sind bezogen auf die Münchner Gesamtbevölkerung erst 56,6 Prozent doppelt geimpft – und damit beinahe die Hälfte noch nicht.

Lieferschwierigkeiten oder gar ein Mangel an Tests sei durch den neuen Ansturm nicht zu befürchten. Noch reicht beispielsweise in der Schützen-Apotheke auch das bestehende Personal, um diesen aufzufangen. Kammermeier betont trotzdem: „Für uns steht an erster Stelle, die Menschen zu überzeugen, sich impfen zu lassen.“ Nur damit könne man einen Herdenschutz erreichen – und der Testpflicht aus dem Weg gehen. Das Testen steht für ihn nur an zweiter Stelle.

Er wirft noch eine weitere Frage auf: „Was passiert ab dem 11. Oktober, wenn die Kosten nicht mehr vom Bund übernommen werden, sondern jeder selber dafür zahlen muss?“ Dann werde sich ein Markt entwickeln – mit unterschiedlichen Preisen bei verschiedenen Anbietern.

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