Zurück auf der Tanzfläche

von Redaktion

VON MARIE-THERES WANDINGER

„München tanzt wieder!“, die erste Party seit Beginn der Corona-Pandemie ist für viele ein langersehntes Highlight und ein großer Schritt Richtung Normalität. Und die wirkt auf den ersten Blick fast surreal: Musik vom DJ-Pult, bunte Lichter, eine Discokugel über den Köpfen der tanzenden Menschen und alle ohne Maske. Entwöhnt sind die Clubgänger, nach eineinhalb Jahren des Abstandhaltens in der Corona-bedingten Partywüste.

So geht es auch Tom Hilner, dem Mitorganisator des Projekts und Inhaber des „Pacha“. „Ich glaube, man kommt ganz schnell wieder rein, das verlernt man ja nicht, aber es ist schon noch etwas unwirklich“, bestätigt er. Die Leute sind glücklich, es ist ihnen aber anzumerken, dass man immer noch nicht wirklich glauben kann, dass es jetzt tatsächlich nach so langer Zeit wieder losgeht.

Schnell setzt sich die Lust auf einen Partyabend gegen die Skepsis durch, die Tanzfläche füllt sich und spätestens um halb neun gibt es kein Halten mehr. Und wenn es nicht so früh wäre – normalerweise macht um diese Uhrzeit schließlich noch kein Club auf –, dann könnte man meinen, dass es nie eine Corona-Zwangspause für Münchens Feierfreunde gegeben hätte.

Bei näherem Hinsehen ist Corona aber noch immer allgegenwärtig. Der Bereich ist eingezäunt, der Eintritt ist nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete möglich. Und auch die Besucherzahl war dieses Wochenende in Absprache mit der Stadt auf 600 beschränkt. Dabei wären nach den jüngsten Beschlüssen der Staatsregierung sogar 1000 Besucher möglich gewesen. „Diese neue Verordnung kam, als wir gerade auf den letzten Metern der Planung waren“, erzählt Veranstalter Hilner und stellt klar: „Für uns ist das hier kein Projekt zum Geldverdienen.“ Es gehe eher darum, die Leute wieder zusammenzubringen – und auszuprobieren, wie eine neue Club-Normalität aussehen könnte.

Wie die aussehen könnte, hat Ministerpräsident Markus Söder zwar angedeutet, Klarheit herrscht aber noch lange nicht. „Der Trend geht zu einer Regelung, bei der wir Genesene, Geimpfte und PCR-Getestete einlassen dürfen“, sagt Hilner. Allerdings: „Das ist noch sehr schwammig. Die aktuelle Verordnung gilt bis Ende September, dann muss eine neue kommen.“ Wie die aussehen wird, was er seinen Mitarbeitern sagen soll – all das wissen Hilner und seine Kollegen noch nicht.

Das ist Zukunftsmusik – im Hier und Jetzt genießen die 600 Gäste ihren Clubabend unter freiem Himmel. Zwei Bars versorgen sie mit Getränken. Wer es ruhiger angehen möchte, kann sich erst mal auf eine Bank setzen oder an einen Stehtisch stellen und die Leute beobachten oder sich unterhalten. Alter oder Kleidungsstil – egal.

München tanzt bei schönem Wetter bis einschließlich 18. September von Donnerstag bis Samstag weiter. Donnerstags wird Hip-Hop und Urban Reggaeton gespielt, freitags Elektro und samstags Club-Sounds. Los geht’s um 18 Uhr und es darf bis zwei Uhr in der Früh gefeiert werden. Wie es am kommenden Wochenende weitergeht – ob wieder mit 600 oder gar mit 1000 Besuchern –, ist noch nicht klar. Was auf jeden Fall bleibt: die Euphorie, dass die Party endlich wieder losgeht.

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