Was die Messe-Gegner planen

von Redaktion

Zehntausende kommen zu Demonstrationen und Radsternfahrt – Aktivisten wollen Sitzblockade

Die Münchner Mega-Veranstaltung im Zeichen des Autos passt nicht jedem. IAA-Gegner planen zahlreiche Proteste – gestern stellten sie ihre Pläne vor. Beobachter rechnen auch mit spontanen Aktionen gegen die Messe.

Das Bündnis „Sand im Getriebe“ etwa will die IAA am Freitag mit „tausenden Menschen“ blockieren und „einen reibungslosen Ablauf verhindern“, wie eine Sprecherin gestern ankündigte. Die Vision der Aktivisten: eine Zukunft ohne Autos. Stattdessen kostenloser Nah- und Fernverkehr sowie ausgebaute Radwege, um das Klima zu schützen. Wo die radikale Protestaktion stattfinden soll, wurde nicht bekannt. In Frankfurt hatte das Bündnis 2019 den Eingang der Automesse blockiert.

Zehntausende Teilnehmer werden zudem zu einer Demonstration und Radsternfahrt des Bündnisses „#aussteigen“ erwartet. Getragen wird die Aktion von Greenpeace, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), den Naturfreunden Deutschland sowie dem Fahrradclub ADFC. Die Polizei rechnet mit 10 000 Teilnehmern zu Fuß und weiteren 35 000 auf dem Rad.

Laut ADFC gibt es bayernweit 16 und in München vier Routen, die zur Theresienwiese führen – dort ist ab 14.30 Uhr Abschlusskundgebung. Auf der Wiesn steht aktuell eine Zeltstadt, die 1500 Menschen als Protest-Camp dient. Wie der genaue Ablauf sein wird, hängt auch von diversen Rechtsstreitigkeiten mit der Stadt ab, die drei von 16 Sternrouten untersagt hat – ebenso die Versorgung der Zeltstadt mit veganem Essen durch Spenden. Dagegen klagten die Aktivisten und erhielten gestern vor dem Verwaltungsgericht Recht. Beim Protestcamp dürfen nach einer Eilentscheidung nun alle Teilnehmer mithilfe einer Feldküche verpflegt werden.

Es ist nur einer von vielen Streitpunkten, der die Gerichte auch nach der Automesse noch beschäftigen wird. So kündigte der ADFC bereits an, die kurzfristigen Verbote der Sternfahrten juristisch aufzuarbeiten. Doch bisher habe man noch keinen schriftlichen, rechtsmittelfähigen Bescheid, erkläret Sprecher Andreas Schön.

Marion Tiemann von Greenpeace betonte, dass die IAA trotz neuen Konzepts nicht glaubwürdig sei. Sie sei nur „ein Schauspiel“, und schaue man hinter die Kulissen, finde man „dasselbe schmutzige Geschäft“. Die Autoindustrie weigere sich, daran mitzuwirken, das Schlimmste an der Klimakrise abzuwenden. Man gehe hier in München auf die Straße, „damit sich das ändert“.

Die Polizei rechnet zur IAA in dieser Woche mit ihrem größten Einsatz in 20 Jahren. 4500 Polizisten sind eingeplant. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat im Vorfeld vor gewalttätigen Protesten gewarnt, die Klimaaktivisten weisen dies aber klar zurück. ANDREAS THIEME

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