Kaum jemand leidet unter den Folgen der Pandemie so sehr wie die Kulturszene. Auch das Deutsche Theater befindet sich wegen der Schließungen während der Corona-Krise und fehlenden Einnahmen in einer finanziell prekären Situation, wie das Kulturreferat bestätigt. Die Stadt bewilligte daher schon 2020 eine Nothilfe in Höhe von 1,5 Millionen Euro, um die drohende Insolvenz des Theaters abzuwenden. Das Kulturreferat hatte sogar 2,3 Millionen Euro beantragt. Jedenfalls habe die von der Stadt genehmigte Summe nicht ausgereicht, um die Liquidität sicherzustellen, so das Kulturreferat.
Worüber nun allerdings Irritationen entstanden sind: Die Geschäftsführung des Deutschen Theaters hat ihren Mitarbeitern seit April 2020 auch die München-Zulage und das Jobticket verwehrt. Beides steht kraft eines Stadtratsbeschlusses allen Beschäftigten der Tochtergesellschaften zu. Die München-Zulage beläuft sich auf 268 Euro pro Monat. Dazu finanziert die Stadt das Jobticket. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe lag von der Geschäftsführung des Deutschen Theaters keine Stellungnahme zu den Gründen für dieses Vorgehen vor. Vom Kulturreferat heißt es: „Wegen andauernder Kurzarbeit von April 2020 bis September 2021 wurde die Auszahlung der Zulagen bislang noch nicht umgesetzt.“
Das 1896 eröffnete Traditionshaus, in dem immer wieder bekannte Musicals, Operetten und moderne Shows zur Aufführung kommen, leidet besonders unter den Folgen der Pandemie. Der Saal mit seinen 1500 Plätzen blieb während der Corona-Krise meist leer. Normalerweise zählt das Deutsche Theater mehr als 300 000 Besucher pro Jahr. Bürgermeisterin Habenschaden hat nach eigenem Bekunden Ende Oktober in einer anonymen Mail erfahren, dass die Zulagen nicht bezahlt wurden. Daraufhin habe sie in der Aufsichtsratssitzung Mitte November die Geschäftsführung aufgefordert, den Beschäftigten die Zulagen rückwirkend zu erstatten. Darauf werde sie auch bestehen. Deutsches Theater und Kulturreferat würden aktuell prüfen, „wie dies rechtssicher geschehen kann“.
Dass es im Deutschen Theater derzeit brodelt, zeigt ein weiterer Vorgang. So hat das Gewerbeaufsichtsamt der Regierung von Oberbayern wegen Unregelmäßigkeiten beim Abrechnen der Arbeitszeit ermittelt. Das Kulturreferat erklärt hierzu, beim Neustart des Theaters Mitte Oktober mit einer aufwendigen Neuproduktion sei es – da Beschäftigte erkrankt waren – zu Arbeitsspitzen gekommen. Dies sei dem Gewerbeaufsichtsamt dargelegt worden. In drei Fällen sei es zu einer Beanstandung gekommen, jedoch sei keine Strafe ausgesprochen worden.
Ob die Geschäftsführer Werner Steer und Carmen Bayer mit Konsequenzen zu rechnen haben, steht noch nicht fest. Habenschaden sagt: „Der Sachverhalt wird derzeit aufgearbeitet. Sobald Klarheit herrscht, wird der Aufsichtsrat das weitere Vorgehen beraten.“ Die Fraktionsgemeinschaft FDP/Bayernpartei im Stadtrat spricht unterdessen von einem „eklatanten Vertrauensbruch“. In einer Anfrage an OB Dieter Reiter (SPD) will die Gruppierung überdies wissen, ob Katrin Habenschaden ihrer Rolle als Aufsichtsratsvorsitzende ausreichend nachgekommen sei.