Vier Menschen wurden am Mittwoch verletzt, als eine Bombe an der Donnersbergerbrücke detoniert ist – quer durch die Stadt war die Rauchsäule zu sehen, auch Gebäude und Autos sind durch die Steine und Splitter beschädigt worden. Nur durch viel Glück gab es keine Toten, als der 250 Kilo schwere Blindgänger auf einer Baustelle im Gleisbereich explodierte. „Wir sind froh, dass nicht mehr passiert ist“, sagt Torsten Thienert vom Kampfmittelräumdienst, der auch vor Ort war.
Nach dem Unglück stellen sich neben den persönlichen Schicksalen nun auch Fragen der öffentlichen Sicherheit. Wie viele Bomben liegen eigentlich noch in München? Und welche Gefahr geht von ihnen aus? Nach Auskunft des Innenministeriums wurden allein im Jahr 2020 rund 150 Tonnen Kampfmittel in ganz Bayern beseitigt. Darunter 63 Blindgänger alliierter Spreng- und Splitterbomben. Die Kosten für die Räumung und Entschärfungen betrugen rund 1,2 Millionen Euro.
In Bayern gebe es jährlich etwa 900 Einsätze, sagt Sprecherin Jasmin Sikler. Nach Informationen unserer Zeitung waren es vergangenes Jahr sogar 1100 Einsätze im Freistaat. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst war „stark gefordert“, sagt Innenminister Joachim Herrmann (65, CSU) – auch in München.
Hier zeigen Luftbildaufnahmen: Entlang der S-Bahn-Strecke und in der Innenstadt gab es Hunderte Bombeneinschläge. Etliche Blindgänger liegen wohl auch heute noch entlang der Gleise. „In der Regel werden solche Kampfmittel im Rahmen entsprechender Bauvorhaben entdeckt und beseitigt“, sagt Sikler. Die genaue Zahl der Bomben, die noch im Münchner Boden schlummern, sei nicht bekannt.
Dokumentiert ist aber, dass es während des Zweiten Weltkriegs insgesamt 47 Luftangriffe auf München gegeben hat. Experten zufolge blieben von jedem dieser Angriffe etwa zehn bis 15 Prozent Blindgänger im Boden stecken. Die Gefahr in München ist also längst nicht gebannt – die Explosion an der Donnersbergerbrücke hat das bewiesen. Denn auch Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs finden sich laut Innenministerium immer noch Hinterlassenschaften wie Bomben, Granaten, Panzerfäuste und Patronenmunition im bayerischen Boden. „Besonders dort, wo es zu Kriegszeiten Bombardierungen gab, etwa im Umfeld ehemaliger Rüstungsbetriebe oder in städtischen Ballungsräumen, muss auch weiterhin mit Bombenblindgängern gerechnet werden“, sagt deshalb auch Innenminister Herrmann.
Wie sicher ist dann die Stammstrecke? Zur Gefährdung durch Blindgänger sagt die Bahn: „Generell werden alle Flächen vor dem Start von Baumaßnahmen auf Kampfmittel untersucht. Dieser Prozess läuft kontinuierlich – auch für die Bautätigkeiten zur 2. Stammstrecke.“ Sind Blindgänger zu erwarten, prüfen Fachfirmen den Bereich. „Hierbei setzen die Spezialistinnen Erkundungsbohrungen und sogenannte Suchschachtungen ein“, erklärt eine Sprecherin. Zuletzt hatte es 2020 „einen größeren Verdachtsfall im Gleisbereich auf Höhe der Laimer Unterführung gegeben. Die verdächtigen Metallgegenstände stellten sich aber als harmlos heraus.“