Ärger um den Tunnel unter dem Englischen Garten: Münchens neuer SPD-Parteichef, Christian Köning, lehnt das Tunnelprojekt ab. Er habe jedenfalls kein Verständnis für das Vorhaben, das mehrere Millionen Euro kosten werde, sagte Köning im Interview mit „München TV“. „Man kann schließlich nicht den Tunnel im Englischen Garten bauen, während man den an der Landshuter Allee ablehnt“, so der SPD-Stadtrat weiter.
Diese Aussagen überraschen insofern, als die SPD-Fraktion im Rathaus noch keine finale Entscheidung getroffen hat, ob der Tunnel gebaut werden soll oder nicht. Fraktionschefin Anne Hübner sagte am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung: „Es gibt in der Fraktion Sympathien für den Tunnel. Aber wir warten noch auf weitere Informationen des Baureferates.“ Zu klären sei, wie viel das Projekt letztendlich kosten werde und wie viele Bäume gefällt werden müssen. Möglicherweise werde die SPD-Fraktion am Montag entscheiden.
Das Projekt „Tunnel Englischer Garten“ hat bereits einige Höhen und Tiefen erlebt. Nach langem Hin und Her hatte der Stadtrat im Juni 2017 einstimmig für die Wiedervereinigung des Englischen Gartens votiert. Initiiert hatte das Projekt das Schwabinger Architektenpaar Herman Grub und Petra Lejeune. Der Freistaat hatte zugesagt, 35 Millionen Euro für den Tunnel bereitzustellen, der Bund finanzierte schließlich die Planungen mit 2,67 Millionen Euro. Doch dann gab es im November vorigen Jahres wieder Ärger.
Das Baureferat hatte ermittelt, dass für den Tunnel 890 statt der ursprünglich geplanten 550 Bäume gefällt werden müssten (wir berichteten). Der Stadtrat war bestürzt, die ersten Mitglieder distanzierten sich. Grub und Lejeune unternahmen einen weiteren Vorstoß. Durch eigene Zählungen in Zusammenarbeit mit der Schlösser- und Seenverwaltung, die für den Englischen Garten zuständig ist, sowie durch Abgleich mit Baumkatastern ermittelten die Architekten, dass nur 368 gefällt werden müssten. Wie valide diese Zahlen sind, ist aber unklar. Ebenso wie die Zukunft des Projektes. „Wir haben jetzt noch einen Ortstermin mit der Schlösser- und Seenverwaltung“, sagt etwa Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. Ihm persönlich gefalle das Projekt sehr, da es ja nicht vordergründig um den Verkehr gehe, sondern um den Lückenschluss. Die zu fällenden Bäume müssten aber deutlich reduziert werden. „Sonst ist es für uns sehr schwierig.“
Der geplante Tunnel soll 390 Meter lang sein und die Autos in die Tiefe verbannen. Seine begrünte Oberfläche würde die beiden Hälften des größten Stadtparks der Welt wieder verbinden. Auch soll am Kleinhesseloher See eine kleine Umgestaltung stattfinden, die zu mehr Platz am Seeufer führt. Das Architektenehepaar Grub und Lejeune macht sich seit den 70er- Jahren für die Wiedervereinigung der beiden Teile des Englischen Gartens stark. Der Baubeginn war für das Jahr 2023 vorgesehen.