Das Münchner Faschingstreiben ist abgesagt. Am Viktualienmarkt wird heute angesichts des Kriegs in der Ukraine bestimmt keine große Sause stattfinden. Der traditionelle Tanz der Marktweiber war bereits zuvor aufgrund der Corona-Lage abgeblasen worden (wir berichteten).
Und auch auf einen weiteren Brauch verzichtet die Stadt: Die Rathausspitze wird sich am Aschermittwoch nicht zum traditionellen Geldbeutelwaschen am Fischbrunnen treffen. Im Vorjahr war der aus dem 15. Jahrhundert stammende Brauch auch schon coronabedingt ins Wasser gefallen. OB Dieter Reiter und Kämmerer Christoph Frey (beide SPD) hatten sich aber zumindest zu einer symbolischen Aktion verabredet: Beide wuschen ihre Geldbeutel an einem Trinkbrunnen im Rathaus. Aufgrund des schrecklichen Krieges in der Ukraine gibt es heuer aber gar kein Geldbeutelwaschen.
Der Brauch wurde im 15. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Damals machte das Dienstpersonal seine Herren darauf aufmerksam, dass nach dem närrischen Faschingstreiben die Börsen leer waren und wieder aufgefüllt werden mussten. Das reinigende Bad sollte sich positiv auf die private Finanzlage beziehungsweise auf die kommunalen Kassen auswirken.
Einen Geldsegen könnte die Stadt übrigens aktuell ganz gut gebrauchen. Der Schuldenberg dürfte bis Ende 2022 nach Einschätzung des Kämmerers auf 2,6 Milliarden Euro anwachsen. Zum Jahresbeginn betrugen die Verbindlichkeiten noch 1,5 Milliarden Euro. Dies hat nicht so sehr mit den Auswirkungen der Corona-Krise, sondern vielmehr mit einem gewaltigen Investitionsprogramm der grün-roten Stadtregierung im Bereich Schulen, Kitas, ÖPNV-Ausbau und Wohnungsbau zu tun. KLAUS VICK