Kartons stapeln sich, Tüten mit Klamotten stehen auf dem Gehweg, Helfer bilden Ketten, um Lastwagen mit Sachspenden zu beladen – was sich derzeit an der ukrainisch-katholischen Pfarrei an der Schönstraße in Untergiesing abspielt, ist pure Solidarität. Es summt wie in einem Bienenstock, wenn man sich dem Gelände nähert. Unzählige Helfer sind dabei, Spenden für die Menschen in der Ukraine zu sammeln und zu sortieren. Die Güter werden dann in Lkws Richtung Osten transportiert.
„Viele, die hier sind und gerade helfen, sind Studenten. Viele andere haben Urlaub genommen, um uns zu helfen“, sagt Pfarrer Volodymyr Viitovitch. „Wir haben versucht, so etwas wie eine Struktur in das Ganze zu bringen. Wir haben uns vernetzt und versuchen, von hier aus alles, so gut es geht, zu koordinieren“, erklärt er. Was die Helfer aktuell dringend bräuchten, seien Lkws, die an die Grenze fahren, Menschen, die helfen und Geflüchtete aufnehmen, sowie Lagerräume, sagt der Pfarrer. „Wir brauchen unbedingt Räume. Es wird immer mehr, lange können wir hier nicht mehr bleiben.“ Die ganze Pfarrei wurde bereits in Beschlag genommen, mit der Menge an Helfern und Sachspenden platzt sie bald aus allen Nähten.
Ganz anders ist die Situation bei Robin Hertscheck, der allein etwas Großes startet. Er war immer schon ein Mann der Tat. Zwei, drei Tage hat er überlegt, wie er den Menschen im Kriegsgebiet am besten helfen kann. Dann fiel der Entschluss. „Ich bin nachts um drei Uhr losgefahren“, erzählt er von unterwegs aus. Sein Ziel: Lemberg im Westen der Ukraine, kurz nach der Grenze zu Polen. Die 1240 Kilometer legt er im Jeep zurück. Im Gepäck hat er neben seinem Hund Caspar Lebensmittel, warme Decken, aber auch Tierfutter. Hertscheck, der einen Supermarkt in Neubiberg betreibt, will Menschen und Tiere aus der Ukraine herausholen – zusammen mit Hilfsorganisationen. Vor Ort hat er Bekannte, mit denen er sich zusammentun wird. Kontakte, die über Social-Media entstanden sind.
Auf Facebook und Instagram („robin36hertscheck“) kann man ihn auf seiner Reise begleiten. Dort hat er am Montag ein Video zu seiner Mission hochgeladen. Seine Bitte: „Ich brauche eure Unterstützung.“ Was konkret benötigt wird, will er posten. Spenden sind aber auch wichtig, damit er Benzin für seine Touren kaufen kann. Er will die Menschen an der Grenze, die Familie oder Freude in der Bundesrepublik haben, ins Land bringen. Im besten aller Fälle auf mehreren Fahrten. Vieles wird sich aber erst zeigen, wenn er in Lemberg ist. Bis zum Ende der Woche will Hertscheck wieder zurück in München sein, um dann weitere Shuttles zu organisieren.
Helfen will auch Elena Sommer-Hörl. Deshalb hat sich die Schwabingerin bei der Wohnungsbörse des Vereins „Münchner Freiwillige –Wir helfen“ registriert. „Ganz einfach, weil ich die Möglichkeit dazu habe“, sagt sie. Ihre Familie hat ein Haus im Allgäu, das bietet sie Flüchtlingen aus der Ukraine an, um dort Unterschlupf zu finden. Ein besonderes Angebot, das einen traurigen Hintergrund hat. „Mein Großvater ist ins Pflegeheim gekommen“, erzählt die 36-Jährige. Deshalb steht das Haus leer. Ob dort Flüchtlinge wirklich einziehen, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.
Die Hilfswelle läuft in der Stadt erst an, vieles muss jetzt organisiert werden. „Bei uns kommen jetzt immer mehr Angebot rein“, sagt Petra Mühling. Zusammen mit Mischa Kunz und Marina Lessing steht sie an der Spitze des Vereins, der aus der Münchner Hilfe während der Flüchtlingskrise 2015 gewachsen ist. Jetzt fährt die Organisation ihre Netzwerke wieder hoch. Der Verein ist in Gesprächen, koordiniert, organisiert, ruft zu Spenden auf und dazu, freie Wohnungen für Flüchtlinge aus der Ukraine bereitzustellen.