Das Hotel am Ende der Flucht

von Redaktion

Stadt richtet neues Ankunftszentrum in Regent-Hotel ein

München – Der kleine Timor ist ein Jahr alt geworden, während er mit seiner Mutter gerade vor russischen Bomben aus der Ukraine floh. Jetzt hält seine Mutter den Kleinen im Arm, während sie in der holzvertäfelten Lobby des Hotels Regent unweit des Hauptbahnhofs in München darauf wartet, registriert zu werden. Das Hotel dient seit gestern als Ankunftszentrum der Stadt – von hier aus werden die Menschen aus der Ukraine auf andere Unterkünfte weiterverteilt.

Die meisten hier in der Lobby haben einen beschwerlichen Weg hinter sich – wie Timor und seine Mutter, Olha Turmanidze. Vor einer Woche sei die 41-Jährige aus ihrer Heimatstadt Irpin bei Kiew mit ihren beiden Söhnen aufgebrochen, als die russischen Truppen anrollten. Die Stadt lag unter Dauerbeschuss. „Es war furchtbar, immer wieder lagen Leichen am Wegrand“, erzählt sie.

Rund sieben Tage sei sie unterwegs gewesen – zuerst mit dem Auto, dann mit einem völlig überfüllten Zug. Jetzt in einer schmucken Lobby zu stehen, sei für sie seltsam, sagt sie. „Ich kann noch immer nicht realisieren, dass das jetzt die Wahrheit ist.“ Sie hat fast alles zurückgelassen – ihre Wohnung, ihre Arbeit, ihre völlig zerbombte Heimatstadt.

Jetzt muss sie sich nach dem Corona-Test in der Lobby des Hotels registrieren lassen. „Nach der Erfassung soll klar werden, wie und wo wir die Menschen dann unterbringen“, sagte OB Dieter Reiter (SPD) bei einem Besuch im Hotel. Die Stadt München versuche, so weit es möglich sei, die Wünschen der Flüchtlinge zu berücksichtigen, sagte Reiter. Das Hotel diene aber auch als „Notpuffer“, sagt er, für Menschen, die in der Nacht ankommen und noch ein Bett brauchen. Platz ist für 420 Menschen – in den Zimmern steht neben jedem Bett noch ein Feldbett. Für den kleinen Timor und seine Mutter ist das Hotel wohl nur eine Durchgangsstation – wie es danach weitergeht? Völlig uklar! JULIAN LIMMER

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