Wiesing – Fast täglich wälzt sich ein Lindwurm aus Blech in Richtung Zillertal (Tirol), auf der dortigen B181, der Achenseestraße. Die füttert sich aus dem Verkehr der B307 von Kreuth oder dem Sylvenstein her. In Wiesing vor der Inntal-Autobahn geht dann meistens gar nichts mehr voran. Nun hat ein Münchner dort die Nerven verloren – er brachte dabei mit seinem schwarzen SUV den örtlichen Feuerwehrkommandanten zu Fall. „Plötzlich lag ich am Rücken, der Fahrer flüchtete“, erinnert sich Walter Theuretzbacher (58) im Gespräch mit unserer Zeitung.
Seit 42 Jahren dient er in der Freiwilligen Feuerwehr. Immer wenn extreme Staugefahr herrscht, sperren die Helfer auf behördliche Anordnung hin die Abfahrt in den Ort ab. Sonst würden die Autofahrer quer durchs Dorf fahren. „Die Abfahrt ins Dorf wird aber in den Navis als Alternative ausgewiesen“, sagt Theuretzbacher.
Vor zwei Wochen stand er wieder an der Absperrung, als sich ein SUV aus München näherte und vor ihm anhielt. Theuretzbacher: „Der Fahrer wollte eine schriftliche Legitimation für mein Handeln, obwohl ich in der Uniform klar als Feuerwehrmann erkennbar war.“ Der Münchner fuhr zunächst zurück und kam aber wieder. Es folgte ein kurzes Gespräch durchs offene Autofenster. Theuretzbacher: „Plötzlich gab der Mann Vollgas.“ Der Kommandant blieb in dieser Situation mit dem Arm am Autofenster hängen, wurde auf den Boden geschleudert und am Ellbogen und der Hüfte verletzt. Er kam in die Notaufnahme des Krankenhauses.
Anzeige wurde erstattet und der Lenker (42) ausfindig gemacht. Dieser führte Stress wegen eines Kleinkinds im Auto als Rechtfertigung an. Trotzdem wird weiter ermittelt: wegen Körperverletzung, Unfallflucht und Widerstand gegen die Staatsgewalt. mc