Grüngürtel statt Altstadt-Autobahn

von Redaktion

VON KLAUS VICK

München – Es ist eine Vision. Aber eine realistische, meint Martin Hänsel vom Bund Naturschutz: „Man muss nur das Herz in die Hand nehmen und Mut zeigen“, sagt er. Die Idee des stellvetretenden Geschäftsführers der BN-Gruppe München: eine grüne Oase im Herzen der Altstadt statt tosendem Autolärm. Oder plakativ gesprochen: ein „Munich Central Park“.

Der soll entlang des Altstadtrings vom Sendlinger Tor über den Stachus bis zum Platz der Opfer des Nationalsozialismus an der Briennerstraße verlaufen. Hänsel stellte die Pläne gestern zusammen mit BN-Projektmanagerin Katharina Horn vor. Nach Auffassung des Naturschützers würde die Stadt mit der Neuaufteilung des Raums an der Sonnenstraße zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Hänsel: „Der Park schafft nicht nur endlich Aufenthaltsqualität an dieser Achse, sondern hilft auch, enorme Hitzewellen durch den Klimawandel abuzusenken.“

Studien der TU München besagten, dass die Spitzentemperaturen in der Stadt in den kommenden Jahrzehnten von 37 auf etwa 45 Grad steigen könnten, würde man nicht mit mehr Grün gegensteuern. Hänsel sprach am Dienstag von 500 bis 700 neu zu pflanzenden Bäumen. Die bestehenden Platanen in der Mitte des Altstadtrings würden erhalten bleiben. Die neue Raumaufteilung sähe so aus, dass beiderseits des Rings eine verbreiterte Flaniermeile für Fußgänger entstehen würde. Daran schlössen sich jeweils zwei rot markierte Radwege an. Dann würden die Autospuren folgen – jeweils nur noch eine pro Fahrtrichtung – und schließlich die Tramgleise, die somit nach außen verlegt werden müssten. Der mittig verlaufende Park wäre Hänsel zufolge bis zu 30 Meter breit. Allerdings müsste die Stadt nach Dafürhalten des Bund Naturschutz schnell handeln und bereits im kommenden Jahr die Weichen für Baumpflanzungen und einen Umbau der Straße stellen. „Dann wäre bis 2035 ein grüner Boulevard Sonnenstraße möglich“, glauben Hänsel und Horn. Die Basis für eine Umgestaltung habe die Stadt mit den Beschlüssen zum Altstadt-Radring gelegt.

Zu den möglichen Kosten sagten die BN-Vertreter: „Das wird sicher nicht billig, also keine zehn bis 20 Millionen Euro.“ Dafür winke langfristig Profit, wie Hänsel meint: „München traut sich was und verwandelt eine Stadt-Autobahn in einen Park.“

Die Rathaus-Regierung zeigt sich den Plänen gegenüber aufgeschlossen. Man unterstütze die Idee ausdrücklich, heißt es bei der SPD. Die Fraktion wolle gemeinsam mit OB Dieter Reiter die Idee als Erweiterung des geplanten Boulevards Sonnenstraße prüfen und zugleich von der Verwaltung eine Zeitschiene für die schnellstmögliche Umsetzung der autoreduzierten Altstadt erarbeiten lassen. Der verkehrspolitische Sprecher, Nikolaus Gradl, sagt: „Ein Boulevard, erweitert um einen Park, würde deutlich mehr Lebensqualität schaffen. Nun gilt es, mit allen relevanten Akteuren ein schlüssiges Konzept zu erarbeiten und umgehend umzusetzen. Wir wollen keine Zeit verlieren.“

Die Grünen sprechen von einer „reizvollen Idee“, öffentliche Räume anders zu gestalten. Fraktionschef Florian Roth erklärt: „In Zeiten fortschreitenden Klimawandels wollen wir die Innenstadt den Menschen zurückgeben und den Autoverkehr hier konsequent reduzieren.“ Zusätzlich sollte in der parallel zur Sonnenstraße laufenden Herzog-Wilhelm-Straße der Westliche Stadtgrabenbach freigelegt und der dortige Park aufgewertet werden.

Bei der CSU überwiegt hingegen Skepsis. Vor allem wegen der Verlegung der Trambahnschienen, der Einschränkungen für den Autoverkehr und der Kostenfrage. Der umweltpolitische Sprecher Sebastian Schall sagt: „Es muss für die Münchner weiterhin möglich sein, mit dem Auto zu den hiesigen Ärzten zu kommen. Handwerker und Gewerbetreibende müssen die Altstadt weiterhin problemlos erreichen können.“

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