Eine Herausforderung für alle Schulen

von Redaktion

VON CLAUDIA SCHURI

Nadia Bohachova arbeitet gerne mit Kindern: Schon in der Ukraine hat die 40-Jährige als Lehrerin gearbeitet – jetzt möchte sie in München beim Unterricht von ukrainischen Schülern helfen. „Es ist wichtig für die Kinder, dass sie jemand haben, der ihre Muttersprache versteht“, sagt sie. Bohachova spricht Russisch, Ukrainisch und Englisch – und kann so zwischen den Kindern und den deutschen Lehrern übersetzen. Sie ist selbst mit ihren beiden Kindern, einem fünfjährigen Buben und einem zehnjährigen Mädchen, vor dem Krieg aus Kiew geflohen. Ihr Diplom hat sie mitgebracht, über eine Online-Plattform lernt sie bereits Deutsch. Sie freut sich, den Alltag an deutschen Schulen kennenzulernen. „Es ist eine neue Erfahrung“, sagt sie.

Die Münchnerin Simone Kunz hat der Familie nicht nur eine Unterkunft angeboten, sondern auch den Kontakt zu einem deutschen Gymnasium vermittelt. „Alle wären startklar“, bestätigt Kunz. Am Montag solle es losgehen mit der Willkommensgruppe. Zunächst habe es einige Herausforderungen wie die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses gegeben. „Das ist kaum machbar“, erklärt die 40-Jährige.

Inzwischen wurden die Regeln angepasst. „Es reicht eine Selbsterklärung und der Masernimpfschutz kann nachgeholt werden“, sagt Bettina Betz vom Staatlichen Schulamt München. Der Bedarf ist groß, schließlich haben viele Schulen sowieso schon Personalmangel. Alleine bei den Münchner Grund- und Mittelschulen seien bisher 500 bis 600 Kinder gemeldet worden. Geplant ist, dass sich alle Schularten an der Integration der ukrainischen Schüler beteiligen. „Es spielt keine Rolle, in welcher Schule die Schüler in der Ukraine waren“, erklärt sie. „Wir wollen jede Schule mit ins Boot holen.“ Eine zentrale Erfassung solle es nicht geben, stattdessen brauche es Lösungen vor Ort. Die Schulen seien direkte Ansprechpartner. „Die Ausgestaltung kann an jeder Schule anders sein“, sagt Betz. „Jede ukrainische Lehrkraft bekommt eine zweite Person zur Seite.“

Laut dem bayerischen Kultusministerium können die Schulen sehr frei entscheiden, welche Schwerpunkte sie setzen und wie sie die Willkommensgruppen mit dem regulären Unterricht verzahnen. „Alternativ zu den Willkommensgruppen können auch andere Möglichkeiten der Integration genutzt werden“, erklärt eine Sprecherin. „So bietet es sich in den unteren Jahrgängen der Grundschule häufig an, Kinder direkt in die reguläre Klasse aufzunehmen, da Kinder in diesem Alter besonders rasch fremde Sprachen erlernen.“ Aktuell passiere sehr viel: „Die Schulen melden uns zurzeit stündlich neu eröffnete Willkommensgruppen“, sagt die Sprecherin.

Der Vorsitzende des Münchner Lehrerverbands, Martin Schmid, plädiert für ein individuelles Vorgehen: „Wir brauchen Pragmatismus statt Paragrafen“, fordert er. „Die Bürokratie muss so weit wie möglich verringert werden, damit wir die Kinder auffangen können.“

Mehrsprachige Infos

für Ukrainer und Helfer gibt es auf der Plattform „Integreat München“, die über eine App und online unter www.integreat.app/muenchen erreichbar ist.

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