Der Sportausschuss des Stadtrats will heute die Weichen für den zweitligatauglichen Umbau des Grünwalder Stadions stellen. Die Kosten liegen wie berichtet bei 77 Millionen Euro. Im Vorfeld der Sitzung haben die Koalitionsspitzen von SPD und Grünen noch einmal über das Projekt gesprochen. Klar ist: Die Rathaus-Regierung steht zur Modernisierung des Stadions. Weil aber aus Sicht der Stadt noch einige Fragen mit den nutzenden Vereinen zu klären sind, soll der Startschuss für die Detailplanung erst Anfang 2023 erfolgen.
So wurden bei dem Koalitionstreffen am Montagabend Modelle zur Refinanzierung der Investitionskosten austariert. Dabei geht es um die künftige Miethöhe für die Nutzer, im Wesentlichen also den TSV 1860 München. Das Kommunalreferat hat Rechenbeispiele erarbeitet. Bei einer marktüblichen Miete wären demnach 1,5 bis 2,5 Millionen Euro pro Jahr fällig. Würde die Stadt nicht nur die Baukosten, sondern auch den laufenden Unterhalt für das Stadion einkalkulieren, wären es nach Abschluss der Sanierung gar vier bis fünf Millionen Euro. Kaum anzunehmen, dass die Stadt den Löwen eine derartige Summe abverlangt. Es wäre eine Vervielfachung im Vergleich zur aktuellen Mietzahlung.
Wie aus Teilnehmerkreisen der Koalitionssitzung zu erfahren war, favorisieren SPD und Grüne ohnehin ein Erbbaurechtsmodell. Dann würde das Stadion im Zuge eines langfristigen Vertrages an einen Investor oder auch an 1860 übergeben. Der Investor würde die Arena selbst sanieren und nutzen. Auf alle Fälle will die Stadt den Löwen ein langfristiges Bekenntnis zum Spielort Grünwalder Stadion abringen.
Wie berichtet, dürfte der Umbau frühestens 2026 starten. Die Bauzeit beträgt rund zweieinhalb Jahre. Die Kapazität des dann modernisierten Stadions würde indes nur von aktuell 15 000 auf 18 105 Zuschauer steigen. Die Löwen wollten sich auf Anfrage weder zu den Ausbauplänen noch zu den Mietkonditionen oder einem möglichen Erbbaurechtsmodell äußern. In der heutigen Stadtratssitzung wird es nach Auskunft von Sport-Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) auch darum gehen, wie bis 2026 bestehende Unzulänglichkeiten im Stadion optimiert werden können. Sollte der TSV in der Zwischenzeit in die Zweite Liga aufsteigen, bedürfte es nämlich einer Ausnahmespielgenehmigung des DFB.
Unterdessen wurden am Montagabend bei einer Online-Veranstaltung auch die Stadtviertelpolitiker aus Giesing über die Umbaupläne informiert. Laut Detlev Langer vom Baureferat hat man sich bei der bevorzugten Variante sehr an den Bürgerwünschen orientiert, weshalb das Stadion aus Lärmschutzgründen komplett überdacht werden soll. Die hohen Flutlichtmasten würden wohl verschwinden und das Licht sich auf den Innenraum des Stadions beschränken. Für Helga Hügenell (SPD), Mitglied des Bezirksausschusses Untergiesing-Harlaching, die selbst in der Nähe des Stadions lebt, ist das ein guter Anfang, aber noch nicht genug. „Es geht auch um den Lärmschutz vor und nach den Spielen und um die Müllbeseitigung.“
Obwohl das „Grünwalder“ ein Fußballstadion bleiben soll, zeigte sich Bürgermeisterin Dietl gegenüber anderen Nutzungsmöglichkeiten offen: „Wir werden die Türen da nicht zuschlagen.“ Zeitlich ist der Umbau an die Sanierung des Olympiastadions gekoppelt, die von Herbst 2024 bis Mitte 2026 geplant ist. Dietl: „Wenn die Vereine andere Spielmöglichkeiten finden, kann man das Ganze auch beschleunigen. KLAUS VICK, ANN-KATHRIN KAPTEINAT