Fahrgeschäfte: Keine Preisexplosion

von Redaktion

VON NINA BAUTZ, CHRISTINA MEYER UND SASCHA KAROWSKI

München – Horrende Energiepreise, dazu ein Corona-Sicherheitskonzept, das viel Geld kosten würde: Einige Wirte haben deshalb große Zweifel, ob sich das Oktoberfest heuer überhaupt rechnet – und sie haben angekündigt, dass die Besucher mit horrenden Preissteigerungen (Mass bis zu 14,50 Euro) rechnen müssten. Droht also die erneute Absage? Die Schausteller jedenfalls sind sich einig, dass die Wiesn stattfinden und bezahlbar bleiben muss – denn für sie geht’s ums nackte Überleben.

„Die Gastronomen verdienen auch unterm Jahr mit ihren Gaststätten“, sagt Egon Kaiser, Sohn der Schaustellerfamilie, die mit vielen Betrieben auf dem Oktoberfest vertreten ist. „Wir haben nur die Volksfeste. Nach zwei Jahren fast ohne Veranstaltungen brauchen wir gerade die Wiesn zum Überleben.“ Fünf Millionen Euro habe sein Fahrgeschäft Bayern Tower gekostet, das 2019 zum ersten und bislang letzten Mal auf die Theresienwiese durfte. „Da hat man schlaflose Nächte.“ Der Eintritt habe 8 Euro gekostet. „Wir werden kaum erhöhen – sonst kommt ja gar keiner mehr. Da müssen wir halt kleinere Brötchen backen.“

Ein Rundruf unter Wiesn-Schaustellern zeigt: Fast alle wollen die Preissteigerungen nicht eins zu eins auf die Besucher umlegen, um diese nicht zu verlieren. „Die Wiesn ist speziell. Es gibt auch Besucher, die sogar 20 Euro für die Mass Bier zahlen würden“, sagt Kurt Geier, der einen Autoscooter und die „Mandelküche“ betreibt. Bei Fahrgeschäften, die vor allem junge Besucher und Familien nutzten, sei das nicht der Fall. Sein Autoscooter hat 2019 3,50 Euro gekostet, heuer werde der Eintritt vielleicht bei 4,50 Euro liegen. „Mein Motto ist: Lieber eine schlechte Wiesn als gar keine.“ Ähnlich plant Claus Konrad vom Traditionsgeschäft Toboggan. „Ich werde die 5 Euro um maximal 50 Cent erhöhen – und hoffe, dass es sich trotzdem lohnt.“ Auch Otto Barth, der beim letzten Mal für seine Achterbahn Olympia Looping 10 Euro verlangt hat, peilt keine oder nur eine geringe Erhöhung an.

„Sicher verbrauchen Fahrgeschäfte viel Strom“, sagt Schaustellersprecher Peter Bausch, der den „Topspin“ (Eintritt 2019: 5 Euro) betreibt. Noch sei aber gar nicht klar, wie hoch die Standmiete von der Stadt ausfallen werde und wie die Strompreise sich wirklich entwickelten. Auf Anfrage teilte die Stadt mit, dass der Stadtrat im Mai beschließe, wie hoch die Pacht für die Plätze auf dem Oktoberfest und der Oidn Wiesn in diesem Jahr wird.

Dass das Fest heuer für die Gäste bezahlbar bleiben und sich trotzdem rechnen muss, findet auch Manfred Schauer, der „Schichtl“. Sein Vorschlag: „Vielleicht können die Brauereien und die Stadt den Wirten und Schaustellern diesmal beim Preis entgegenkommen. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen.“ Sein Kollege Werner Hochreiter von den kleinen Wiesn-Wirten rechnet mit rund fünf Prozent höheren Kosten für Essen und Getränke für die Besucher: „Trotzdem: Jede Wiesn lohnt sich! Allein schon, dass die Gäste wieder kommen können.“ Sein Sprecherkollege Otto Lindinger von „Bodos Cafézelt“ sagt, im August würden die Preise festgelegt. „Auch wenn es etwas teurer wird: Wenn sich das Fest halbwegs trägt, ist das für uns schon ein Erfolg.“

Die Stadtpolitiker bekennen sich derweil zu ihrer Wiesn: „Alles ist viel teurer geworden. Das darf aber kein Grund sein, das schönste Volksfest der Welt sozusagen vorauseilend zum dritten Mal abzusagen“, erklärt Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne). „Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Preiserhöhungen im Rahmen bleiben, beispielsweise beim Bierpreis.“ Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) wünscht sich, dass Wirte und Schausteller an einzelnen Tagen wieder Familien-Vergünstigungen anbieten: „Denn die stehen finanziell besonders unter Druck. Die Wiesn ist ein Volksfest, und das muss sie auch bleiben.“ Auch die Stadtratsfraktion CSU und die Freien Wähler bekennen sich klar zur Durchführung der Wiesn.

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