Mahnmal für das Bandenopfer

von Redaktion

Polizei erklärt Hintergründe zur Messerstecherei am Korbinianplatz

VON ALENA WUNDERLICH UND PHILLIP PLESCH

München – Das Mahnmal wächst: Blumen, Grablichter, eine Packung Kekse und mehrere Bilder erinnern an die schlimme Tat vom 14. März. An jenem Montagnachmittag wurde Musafr P. (†18) bei einem Bandenstreit am Korbinianplatz getötet. Als Tatverdächtiger gilt ein 16-Jähriger, der in U-Haft sitzt. Die Ermittlungen der Polizei laufen auf Hochtouren.

Doch es bleiben quälende Fragen: Warum musste der 18-Jährige sterben – und warum am Korbinianplatz? Immerhin häuften sich zuletzt die Gewalttaten im Bezirk Milbertshofen-Am Hart. Erst im Januar wurde einem Jugendlichen in den Bauch geschossen. Die Polizei prüft die Zusammenhänge. Olaf Schleicher, der Leiter der Polizeiinspektion 47 im Stadtviertel, stand im Bezirksausschuss (BA) jüngst Rede und Antwort.

Er machte klar: Die zwei Jugendgruppen, die in die Messerstecherei am Korbinianplatz verwickelt waren, „sind nicht lokal ansässig. Die sind in der ganzen Stadt unterwegs.“ Neben Milbertshofen-Am Hart kommen die Jugendlichen aus Neuperlach, dem Hasenbergl und Schwabing. Die Messerattacke soll nach Erkenntnissen der Polizei ein Racheakt für einen Vorfall am Karl-Preis-Platz in Ramersdorf vom Oktober 2021 gewesen sein. Ein Jugendlicher hatte seinerzeit eine Stichverletzung erlitten, als ein Streit eskaliert war.

Auch der Korbinianplatz ist längst ein Brennpunkt. Er sei als Konsumplatz von Drogen und Alkohol bekannt, sagt Schleicher. Außerdem seien bei Kontrollen des kleinen Parks präparierte Messer und Schraubenzieher gefunden worden, und Polizeihunde hätten einige Drogenlager ausfindig gemacht.

Der Leiter der Polizeiinspektion fordert: „Die Polizei muss jetzt mehr in die Offensive gehen und mehr Präsenz zeigen.“ Polizeipferde, auch für den Bereich des nahe gelegenen Oberhofer Platzes, seien bereits angefordert worden. Beamte in Zivil seien ohnehin schon öfters vor Ort gewesen. Unterdessen versuche die Polizei weiterhin, mehr über die zwei Jugendgruppen zu erfahren.

Die Verabredung zu einer Vier-gegen-vier-Schlägerei hatte zu dem Tod von Musafr P. geführt. Letztlich waren deutlich mehr Jugendliche beteiligt. Früher sollen beide Gruppen noch eine gewesen sein. Doch seit einem der Polizei bislang unbekannten Ereignis hätten diese sich getrennt – und seien jetzt offenbar verfeindet. Wie die Beteiligten zusammenhängen, stellt die Polizei noch vor Rätsel. Doch sie ist der Jugendkriminalität auf der Spur. Eine 2021 dafür eingerichtete Ermittlungsgruppe wird weitergeführt.

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