Flohmarkt-Comeback an der Parkharfe

von Redaktion

Munter und gespannt schlendern an diesem Freitagmorgen Schnäppchenjäger von Stand zu Stand. Sie wollen Uhren-Sammlungen erweitern, Kleidung zu Schnäppchenpreisen finden oder besondere Einzelstücke entdecken. Nach zwei Jahren pandemiebedingtem Dornröschenschlaf erwacht endlich wieder die Flohmarktsaison in der Parkharfe des Olympiastadions.

Nicht nur die Besucher, sondern auch die Verkäufer haben den Münchner Trödelmarkt vermisst. Der Kontakt zwischen Kunden und Verkäufern konnte in der Pandemie durch Online-Plattformen wie Ebay Kleinanzeigen nicht ersetzt werden. Da sind sich alle Flohmarkt-Freunde einig. Günther Keppeler meint: „Heutzutage fehlt es zunehmend an persönlicher Kommunikation.“

Seit zehn Jahren verkauft der Hochschuldozent hobbymäßig auf Flohmärkten. Immer wieder finde er Uhren seines verstorbenen Vaters, einem Uhrmacher. Doppelungen verkaufe er dann auf dem Flohmarkt. Auf seinem Tisch liegen auch Kunstwerke und verschiedenste Kuriositäten. Die haben ihm seine Tanten pünktlich zum Flohmarkt-Beginn mitgegeben. „Die Geschichten hinter den Stücken zu erzählen, das ist mir besonders wichtig“, erklärt der 76-Jährige.

Anna De Florin geht es ähnlich. Der 75-Jährigen aus Landsberg ist der Spaß und Kontakt zu anderen Ausstellern und Kunden am wichtigsten. Ein paar bekannte Gesichter hat sie bereits wiedergesehen. Natürlich erfreue sie sich aber auch an ihren neuen Errungenschaften, wie dem originalen Steiff-Pudel und ihrem Hut.

Für den 69-jährigen Hans Ritting sind Flohmarkt-Besuche schon seit Jahren eine große Leidenschaft. Als ehemaliger Requisiteur des Residenztheaters verbrachte er viel Zeit mit Stöbern, Feilschen und Sammeln. Heute war er bereits erfolgreich: zwei Fahrradmäntel im super Zustand für acht Euro. „Neu hätte ich bestimmt 40 Euro zahlen müssen“, freut sich der Rentner.

Das Hobby teilen auch die jüngeren Besucher: So freut sich die 18-jährige Kathleen Kiesmüller über den lang ersehnten Beginn der Flohmarktsaison. „Vor Corona haben wir beide hier auch selbst verkauft, hauptsächlich Spiele und Kinderkleidung“, erzählen sie und ihre Schwester. Nun wollen sie wieder regelmäßig auf den Flohmarkt gehen. Seit neun Uhr bummeln die Schwestern in der Parkharfe.

Von Büchern und Uhren über Kleidung bis zu antiken Fundstücken – auf dem Flohmarkt ist für alle Geschmäcker etwas dabei. Nadine Djohar erzählt lächelnd von einem ihrer besten Käufe: „Vor Jahren habe ich hier einen gefüllten Nähkoffer für unter 15 Euro erstanden.“ Die 39-Jährige erinnert sich noch an den Verkäufer, der damals den Dachboden seiner Mutter ausgemistet hatte. Auch heute konnte sie als Hobbynäherin nicht an schöner Meterware vorbeigehen. Besondere Deko-Elemente und einen Hocker kaufte die Architektin für wenige Euro. Allen Besuchern ist eines gemein: Flohmarkt sei ein ganz anderes Erlebnis als das sonst übliche schnelle und anonyme Einkaufen. PIA MOHR

Artikel 3 von 4