Die große Schäffler-Schau

von Redaktion

VON CHRISTINA MEYER

Punkt 12 Uhr vor der Bayerischen Staatskanzlei: Ein letztes Mal werden die Krägen zurechtgezuppelt, die Musiker schnappen ihre Instrumente. Als dann Ministerpräsident Markus Söder (CDU) die Stufen der Staatskanzlei hinabsteigt, geht es los: Trommelwirbel, der Bayerische Defiliermarsch ertönt – und die Schäffler legen los.

Dicht gedrängt stehen die Zuschauer vor der Absperrung, sogar auf den Stufen im Hofgarten finden sich Zaungäste ein. Es ist ja auch eine seltene Gelegenheit, die sich hier bietet: Nur alle sieben Jahre zeigen die Fassmacher ihren rund 500 Jahre alten Tanz. Eigentlich wäre es erst 2026 wieder so weit gewesen: Der Legende nach tanzten die Schäffler nach der überstandenen Pest auf Münchens Straßen, um die Menschen wieder aus den Häusern zu locken. Vor dem Hintergrund dieser Tradition entschieden sich die Schäffler heuer für eine Ausnahme: Noch bis Sonntag treten sie außerplanmäßig 30 Mal in der Stadt auf, um das Ende der Pandemie einzuläuten. „Wir möchten den Menschen in diesen Zeiten ein bisschen Hoffnung und Zuversicht geben“, sagt Reifenschwinger Christian Härtl.

Ein bisserl nervös sind die Schäffler kurz vor dem Auftritt schon. „Man tanzt ja nicht jede Woche vor dem Ministerpräsidenten“, verrät Härtl. „Der Tanz an sich sitzt zwar, aber ein paar waren im Urlaub – die letzten Tage hatten wir noch Stellproben.“ Traditionell wird der erste Tanz vor dem König aufgeführt – diesen Part übernimmt heute gern Markus Söder. Der Ministerpräsident winkt im Takt, pfeift mit und kriegt dann wie auch Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) Schnaps eingeflößt und die Nase schwarz angemalt – das soll an die Pest erinnern und Glück bringen. Die Stimmung ist super, die Sonne strahlt so vom weißblauen Himmel, dass mancher Tänzer im traditionellen Winter-Outfit aus dicker roter Jacke und Kniebundhose richtig ins Schwitzen gerät. Das Rentnerpaar Edith (63) und Rudolf H. (73) sieht die Schäffler zum ersten Mal tanzen: „Wir wollten die Gelegenheit nutzen.“

Markus Söder ist von seiner Idee, dass die Schäffler außerplanmäßig auftreten, begeistert: „Es ist eine große Freude, die Schäffler wiederzusehen.“ Viele Menschen würden sich fragen, warum in Zeiten der Pandemie und des Krieges gefeiert werde. „Keiner vergisst, was woanders stattfindet. Aber um Kraft zu haben, anderen zu helfen, braucht man ab und zu etwas Lebensfreude.“

Davon wollen die Schäffler jede Menge versprühen. Nach einer kurzen Brotzeit in der Staatskanzlei wartet der eigens angemietete Tourbus auf die 50 Nebenerwerbstänzer, um sie zum nächsten Auftritt zu bringen. Allein gestern warteten sechs Termine, am Abend zapfte Alt-OB Christian Ude im Restaurant zum Alten Markt noch ein Fass an. Auf Wohl, Gesundheit und Frieden ein dreifaches Hoch, Hoch, Hoch.

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