Charlotte Knobloch macht in ihrer Rede deutlich, warum es ihr besonders wichtig ist, mit Rabbinern aus aller Welt das ehemalige KZ Dachau zu besuchen und hier der Opfer des Holocaust zu gedenken. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) bezeichnet das Lager als einen Ur-Ort des Terrors der Nationalsozialisten. Als einen Ort, „der wie kein anderer in Deutschland an das ,Nie wieder’ gemahnt“, so Knobloch weiter. „Nie wieder Ausgrenzung, nie wieder Entrechtung, nie wieder Mord, nie wieder Entmenschlichung und für das jüdische Volk auch, nie wieder Opfer zu sein.“
Diese Worte sagt Knobloch auch vor dem Hintergrund der Zunahme antisemitischer Straftaten in Deutschland. Diese nennt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in Dachau unerträglich. „Jüdischer Glaube und jüdische Kultur sind ein unverzichtbarer Teil unseres Landes. Hass und Gewalt gegen Juden dürfen wir in Bayern niemals dulden“, sagt Herrmann anlässlich eines Abschlussbesuchs der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) in der KZ-Gedenkstätte Dachau. „Wir geben weder rechtsextremem, noch linksextremem, noch islamistischem Antisemitismus auch nur einen Millimeter Platz.“
Charlotte Knobloch bezeichnet die jüdische Zukunft als eine europäische Frage. „Sichtbarkeit der jüdischen Gemeinschaft und von jüdischer Identität wird unsere große Aufgabe für den Rest dieses Jahrzehnts bleiben – und wohl noch darüber hinaus“, stellt Knobloch klar. „Was in dieser Hinsicht aufgebaut wurde, muss gesichert werden – und zwar auch eingedenk einer Vergangenheit, die in den Ländern Europas stets präsent bleibt.“
Seit Montag hatten Rabbiner aus Europa, Israel und den USA in München getagt. Die Konferenz stand insbesondere auch unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine. Der Oberrabbiner von Moskau, Pinchas Goldschmidt, hat den Krieg in der Ukraine als „Katastrophe“ bezeichnet. „Die Stimmung in russischen jüdischen Gemeinden ist bedrückend. Viele Juden sind ausgewandert, ein Teil der Menschen sitzt auf gepackten Koffern“, sagt der Präsident der Konferenz Europäischer Rabbiner (CER) in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Der Krieg ist für uns alle eine Katastrophe.“ Das Zusammentreffen mit anderen Rabbinern, auch aus der Ukraine, bei der Konferenz in München bezeichnet Goldschmidt als berei-chernd. „Die Brüderschaft und die Freundschaft ist von politischen Ereignissen nicht beeinträchtigt worden“, sagt er.