Deutsches Museum: Party und Proteste

von Redaktion

VON ANDREA STINGLWAGNER UND MARIE KINSKY

Auf der „Schiffsbühne“ beim Seenotrettungskreuzer „Theodor Heuss“ gab Museumsdirektor Wolfgang Heckl am Freitagmittag den Startschuss für das Fest des Deutschen Museums. Er strahlte: „Dass nach sieben Jahren wieder so ein Andrang herrscht, freut uns sehr.“ Schon die Warteschlange vor dem neuen Eingang im modernen Anbau war ein Erlebnis.

Mitarbeiter zeigten Experimente, ein Hunde-Roboter tollte umher, wartende Familien erzeugten mit einer „Strombox“ Musik. Fabian Rauecker (35) vom Eisstand vor dem Eingang erzählte stolz: „Als Münchner hat man immer einen Bezug zum Deutschen Museum. Hier habe ich als Kind meinen ersten Blitz gesehen.“

Gelassene Stimmung und glückliche Gesichter drinnen im Museum: „Wir wollten unbedingt die neuen Roboter anschauen und das Teleskop“, sagte die Münchner Familie Schmidt. „Es ist nun alles viel größer und schöner als früher.“ 19 neue Dauerausstellungen auf einer Fläche von 20 000 Quadratmetern erwartet die Besucher – von der Modellbahn bis zur Atomphysik, von Elektronik bis zu den Musikinstrumenten. Für diese interessierte sich Helena Nürnberger (18) am meisten, die mit drei Freundinnen aus Mannheim angereist war. „Ich spiele selbst Gitarre und singe.“

An diesem Samstag und am Sonntag wird auf dem ganzen Museumsgelände noch vieles geboten sein – von Zirkusauftritten bis zu kostenlosen Führungen und einer Slackline-Show: Lukas Irmler wird mehrmals täglich zwischen den Gebäuden am Schiffsgarten in luftiger Höhe balancieren.

Während die Menschen auf dem Museumsgelände feierten, gab es nebenan ernste Gesichter. Der Verein Isarlust demonstrierte laut eigenen Angaben mit einem „breiten Bündnis und prominenten Rednern und Künstlern“ für „eine (weitgehend) autofreie Corneliusbrücke“. Eine Fahrspur der Brücke wird deshalb auch am Samstag- und Sonntagnachmittag teils gesperrt, auf Podien treten Redner und Bands auf. Organisator Benjamin David (45) zu unserer Zeitung: „Das Deutsche Museum ist toll geworden. Gerade der Südeingang an der Corneliusbrücke wird der neue Hotspot Münchens.“ Das Problem: „Da ist zum einen die neue breite Flaniermeile, zum anderen ist auf der Corneliusbrücke nur Platz für einen schmalen Bürgersteig und Radweg.“

David und Isarlust fordern, den Autoverkehr auf der Corneliusbrücke auf eine Fahrspur einzuschränken. Dietmar Holzapfel vom Verein König Ludwig Denkmal, das auf der Corneliusbrücke entstehen soll, kritisiert die Demo. Nicht nur Museumsbesucher, auch die Besucherströme zum Kulturstrand trügen zur Verschlechterung der Verkehrssituation bei. Eine Unart sei es, sich mit der Demo ans Museumsfest anzuhängen. „So was tut man nicht!“ David wirft Holzapfel „Realitätsverzerrung“ vor. Viele Politiker und Museumsvertreter „hinter den Kulissen“ fänden die Demo gut.

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