München – Isar und Stadtbäche – werden sie bald zu rettenden Stromquellen? Auf der Suche nach Alternativen zur Energieerzeugung sind CSU und Freie Wähler jetzt jedenfalls bei einem belgischen Unternehmen fündig geworden: Die Firma Turbulent aus Wilselem stellt Wasserkraftwerke her, die an Flüssen installiert werden und im Jahr bis zu 560 000 Kilowattstunden Strom erzeugen können. Zur Einordnung: Der Stromverbrauch für einen Vier-Personen-Haushalt liegt im Schnitt zwischen rund 2600 und 5000 Kilowattstunden pro Jahr.
So funktioniert’s: Turbulent verbaut eine Turbine in einer Betonkonstruktion. Durch die Strömung und Fließkraft des Wassers wird ein Wirbelsog erzeugt, aus dem die Energie für die Stromerzeugung gewonnen wird. Die Turbinen lassen sich laut Hersteller sowohl direkt im Wasser als auch an Land installieren. 30 Jahre könnte eine Turbine arbeiten, bevor sie ersetzt wird.
Das System verfügt über ein automatisches Schleusentor, das die Fließgeschwindigkeit kontrolliert. Zudem stellen Netz- und Gitterstufen sicher, dass nichts in den Strudel hineinfallen oder durchfließen kann. Ausgenommen: Fische und Wasserlebewesen. Denn der zirkulierende Durchfluss erzeugt einen so niedrigen Wasserdruck, dass etwa Fische problemlos durchschwimmen können.
Laut Hersteller erfordern die Mini-Kraftwerke keine nennenswerten baulichen Eingriffe in Umwelt und Natur. Das System lasse sich binnen weniger Tage installieren, in den USA oder in Chile sind erste Projekte bereits umgesetzt worden.
Ob es auch in München geeignete Standorte gibt, sollen die Stadtwerke München (SWM) auf Wunsch von CSU und Freien Wählern nun prüfen – nicht nur an der Isar. „Es gibt auch viele Stadtbäche, die zum Teil unterirdisch verlaufen“, sagt Fraktionschef Manuel Pretzl. „Vielleicht können wir diese bislang ungenutzten Energiequellen anzapfen.“ Bei der Energiewende dürfe es keine Denkverbote geben. „Die ganze Welt sucht gerade nach Wegen zur unabhängigen und nachhaltigen Stromerzeugung. Mini-Wasserkraftwerke, die hier vor Ort Strom erzeugen, könnten einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.“
Laut Hersteller könnten mit einem Kraftwerk hunderte Haushalte versorgt werden. „Wasserkraft ist immer verfügbar, denn Gewässer fließen ganzjährig und sind weniger wetterabhängig als Wind- oder Sonnenenergie.“ ska