München – Sie zockten mehrere Münchner Senioren schamlos ab – jetzt folgte die Strafe. Das Landgericht München I hat zwei Mitglieder von organisierten Callcenterbanden ins Gefängnis geschickt. Sie hatten Senioren angerufen und sich als Polizisten ausgegeben, die deren Wertsachen sichern müssen, weil Einbrecher in der Nachbarschaft seien. Eine äußerst dreiste Lüge, die aber leider noch sehr oft funktioniert: Der Schaden in München durch solche Betrügereien lag im vergangenen Jahr bei mehr als 2,5 Millionen Euro.
Der Angeklagte Sergün B. wurde wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs in drei tatmehrheitlichen Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von insgesamt vier Jahren verknackt. Er hatte sich gegenüber den Senioren als Kommissar der Münchner Polizei ausgegeben und dadurch auch einer Amtsanmaßung schuldig gemacht. Seine Komplizin Sabrina A. wurde wegen versuchten gewerbsmäßigen Bandenbetrugs in Tateinheit mit Amtsanmaßung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten verurteilt. Eine Bewährung lehnte das Gericht ab, denn ihr wurde erschwerend auch Geldwäsche nachgewiesen.
Beide Fälle zeigen: Immer mehr falsche Polizisten müssen in den Knast. Die Hintermänner sitzen zwar oft in der Türkei und sind schwer zu fassen, doch bei den Abholern in München ist das Ermittlern zufolge nur eine Frage der Zeit. Auch ihnen droht sofort Gefängnis. Dazu kommt: Die Täter müssen bei Verurteilung das abgezockte Geld an die Senioren zurückzahlen – auch, wenn sie es bereits an ihre Bosse weitergegeben haben. Bei Sergün B. sind es 99 500 Euro, bei Sabrina A. 45 500 Euro. Beide sind jetzt im Knast – und zuzsätzlich pleite. ANDREAS THIEME