Studentin täuscht Entführung vor

von Redaktion

SEK-Einsatz in Münchner Hotel – Neue Betrugsmasche

Die Polizei München ist mit einer neuen Betrugsmasche konfrontiert, von der es international schon viele Fälle gibt – in Deutschland aber erst wenige. Dabei handelt es sich um die sogenannte virtuelle Entführung, bei der die Betrüger vor allem Chinesen im Visier haben. So wie eine 22-jährige Asiatin, die in München ein Auslandsstudium absolviert. Sie wurde von den Kriminellen dazu gebracht, ihre eigene Entführung zu inszenieren. Ein Drama, das mit einem SEK-Einsatz am Freitagabend seinen Höhenpunkt fand.

Die Spezialkräfte stürmten ein Hotel, um die Studentin zu retten. Es zeigte sich: Sie wurde in dem Zimmer nicht festgehalten, sondern hatte sich dort nur versteckt. Die junge Frau wollte so ihren Eltern vorgaukeln, dass sie entführt wurde, damit die chinesische Familie für sie zahlt.

Laut Stephan Beer, Leiter der Mordkommission, wurde sie Opfer einer „perfiden Betrugsmasche“. Bei diesem ersten Fall in München wurde die Studentin von Betrügern kontaktiert, die sich als Mitarbeiter von chinesischen Behörden ausgaben. Ihr Trick: Sie gaukelten der jungen Frau vor, dass ihr Konto in ein Geldwäsche-Verfahren verwickelt sei. Das Angebot der angeblichen Beamten: Wenn sie rund 1,3 Millionen chinesische Yuan, umgerechnet rund 200 000 Euro, zahlt, brauche sie keine Konsequenzen fürchten. Als die Studentin nur 37 000 Euro aufbringen konnte, wurde sie von den Betrügern aufgefordert, ihre Entführung zu inszenieren.

Ihre Eltern zahlten nicht, sondern wandten sich an die Hochschule ihrer Tochter in München. Zwei Mitarbeiter schalteten die Polizei ein. Ermittlungen ergaben, dass die Studentin sich offenbar in einem Münchner Hotel aufhielt. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) rückte am Freitag an, fand die junge Frau, die einer Mitbewohnerin gegenüber angegeben hatte, verreisen zu wollen, dort allerdings allein in ihrem Zimmer. Sie hatte nach ersten Erkenntnissen der Beamten schon zehn Tage dort verbracht. NADJA HOFFMANN

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