Die U9 soll gebaut werden, ebenso die provisorische Haltestelle unter dem Hauptbahnhof. Das schlägt die Verwaltung dem Stadtrat vor, der in der kommenden Woche am Mittwoch über das Thema debattieren wird. Die Entscheidung ist nämlich keine leichte.
Die U9 soll auf einer Länge von 10,5 Kilometern von der Impler-/Poccistraße über den Hauptbahnhof zur Münchner Freiheit verlaufen. Fünf neue Bahnhöfe entstehen. Die Bauzeit wird mindestens zehn Jahre betragen. Die Gesamtkosten werden auf vier Milliarden Euro geschätzt, der Bau des provisorischen Bahnhofs allein würde aktuell 562 Millionen Euro verschlingen.
Der Bahnhof muss allerdings zwingend nun genehmigt werden, da er im Zuge des Baus der zweiten Stammstrecke mit geplant und auch errichtet werden soll. Problem für den Stadtrat: Es ist ungewiss, ob die gesamte Trasse jemals errichtet wird, weil offen ist, ob der Bund und der Freistaat das Projekt finanziell fördern werden. Ein Bekenntnis des Bundesverkehrsministers Volker Wissing (FDP) dazu fehlt. Im schlimmsten Fall baut die Stadt einen Bahnhof, die sogenannte Vorhaltemaßnahme, die dann nie gebraucht wird und versenkt damit 562 Millionen Euro unter der Erde.
Die Grünen werden sich aber wohl dennoch für den Bau der U9 und des Bahnhofs aussprechen. „Ich glaube, wir können es uns nicht leisten, aus dem Projekt auszusteigen“, sagt Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. Eine endgültige Entscheidung fällt die Fraktion am Montag. Es reicht aber auch so für eine Mehrheit. Die CSU wird für den Bau stimmen, CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sagte: „Die U9 ist die zentrale Zukunftsinvestition im Verkehrsbereich.“
SPD-Chef Christian Müller sieht das ähnlich. Die U9 sei eine wichtige Entlastungsstrecke für das Münchner U-Bahn-Netz, die dringend für einen zukunftsfähigen öffentlichen Nahverkehr gebraucht werde. „Diese Chance erhalten wir uns aber nur, wenn wir jetzt das Vorhaltebauwerk am Hauptbahnhof beschließen. Wir gehen hier in Vorleistung, auch weil sich der Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke, die ebenso dringend nötig ist, nicht noch weiter verzögern soll.“ Gleichzeitig aber erwarte er von Bund und Freistaat endlich verlässliche Finanzierungszusagen. SASCHA KAROWSKI