Da, wo Münchner ihre Freizeit genießen, spazieren oder baden gehen, würden jetzt abertausende Autos entlangrasen. Direkt an der Isar sollte ab den 1960er-Jahren eine achtspurige Autobahn entstehen. Teile des Flusses wären überbaut und die Bäume abgeholzt. Einem Mann – und seinen Mitstreitern – ist es zu verdanken, dass diese und andere Pläne nie Realität wurden: Karl Klühspies.
Zu Ehren des 94-Jährigen gab es nun ein Konzert. Auch Alt-Oberbürgermeister Christian Ude verneigte sich dort vor dem Stadtplaner.
In einer ruhigen Seitenstraße in Laim steht am Freitagmittag eine kleine Bühne. Ecco di Lorenzo spielt mit Band. Politiker, Anwohner und Kulturveranstalter finden sich zusammen, um einem Architekten Danke zu sagen. Aber nicht dafür, dass Bauvorhaben umgesetzt wurden, so wie es bei einem Mann seines Postens zu erwarten wäre. Sondern dafür, dass Karl Klühspies sie verhinderte.
Der Münchner Stadtentwicklungsplan von 1963 sah nämlich eine Stadtautobahn vor. Auch das Ende der Tram war bereits besiegelt. In der Innenstadt sollte es statt Wohnen mehr Gewerbe geben. All diese Pläne lehnte Karl Klühspies ab. Zusammen mit seinen Mitstreitern setzte er sich dagegen ein, gründete das Münchner Forum. Mit Erfolg: Das autogerechte Vorhaben war vom Tisch.
„Karl gehört zu den ersten Menschen, die mich für Kommunalpolitik begeistert haben“, sagte Ex-OB Ude über den 94-Jährigen. „Er ist ein Ideengeber und Wortführer. Ohne ihn wäre München unansehnlicher, ungemütlicher und ökologisch weniger wertvoll.“
Auch Benjamin David, der die Veranstaltung mit seinem Kulturlieferdienst organisiert hat, bedankte sich bei Klühspies mit folgenden Worten: „Man sieht, was ein Einzelner bewegen kann.“
Der so Geehrte verfolgte das Spektakel in der Seitenstraße in Laim aus der ersten Reihe mit – eingehüllt in eine Decke und gewärmt von einem Heizstrahler. Fragt man ihn, warum er sich sein Leben lang so für München einsetzte, überlegt er nicht lange: „Die Stadt ist mein Lebensraum.“ Und den gelte es, nun einmal zu erhalten.