Schluss mit dem Baby-Boom

von Redaktion

VON SOPHIA OBERHUBER

München – Noch vor einem Jahr gab es einen Geburtenrekord. Trotz Pandemie, trotz Sorgen: 2021 gab es mehr Münchner Kindl als je zuvor. Jetzt aber scheint Schluss mit dem Baby-Boom zu sein. Im vergangenen Jahr sind etwa neun Prozent weniger Babys in Münchner Krankenhäusern zur Welt gekommen als in 2021. Auch im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren ist die Zahl zurückgegangen. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Nach Angaben des Standesamts erblickten vergangenes Jahr 22 284 Babys in einem der Münchner Krankenhäuser das Licht der Welt. 6268 Babys davon in einer München Klinik. „In der Geburtshilfe übernehmen wir schon heute eine tragende Rolle für München und das Umland. Wir werden unsere Kapazitäten noch weiter ausbauen“, sagt Geschäftsführer Axel Fischer.

Aber: Mit Blick auf München hat die Zahl der Neugeborenen wieder abgenommen und liegt nun auf dem Niveau des Jahres 2014. Vor allem im Vergleich zum Jahr 2021, in dem 24 089 Münchner Kindl geboren wurden, herrscht jetzt eine Baby-Flaute. Das entspricht dem bundesweiten Trend. In Bayern wird die Bevölkerung laut einer Prognose trotzdem weiter wachsen (siehe dazu Bayern-Teil).

Für die Münchner Sexualtherapeutin Heike Melzer sind die sinkenden Geburtenzahlen keine Überraschung. Grund für die Entwicklung seien in erster Linie die Folgen der Corona-Pandemie. „Viele, die eigentlich erst in einigen Jahren Kinder wollten, haben den Kinderwunsch während der Pandemie vorgezogen. Deshalb gibt es jetzt eine Delle in der Statistik.“ Die Menschen hätten sich während der Corona-Krise mehr nach innen orientiert. Paare hätten gezwungener-maßen viel Zeit in Zweisamkeit verbracht und versucht, das Beste daraus zu machen. „Die einen haben gebacken, die anderen haben sich einen Hund angeschafft und wieder andere haben eben Kinder bekommen“, so Heike Melzer.

Die Münchner Therapeutin sieht im Corona-Baby-Boom aber auch eine Strategie, um der Gefahrenzone zu entkommen. Statt im Großraumbüro mit höherem Ansteckungsrisiko als zuhause befanden sich die frisch gebackenen Mamas dann im Mutterschutz – und damit in Sicherheit. Das habe auch zu einer Art Nachahm-Effekt bei Arbeitskolleginnen geführt, sofern sich die Schwangerschaften herumgesprochen haben. Nun sind die Corona-Einschränkungen Geschichte und das Leben findet wieder vermehrt im öffentlichen Raum statt. „Der Fokus hat sich wieder in Richtung Freiheit verschoben. Kinder sind dann vielleicht nicht das Erste, das man damit in Verbindung bringt“, so Melzer.

Wie sich die Geburtenzahlen zukünftig entwickeln werden, kann die Expertin nicht vorhersehen. In der Inflation sieht Melzer aber in München keinen großen Faktor. „Ich glaube, dass das Oktoberfest oder Faschingsfeiern mehr Auswirkungen haben.“

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