In Giesing und in der Au werden am 3. Februar kostenfreie Eisstockbahnen aufgebaut. Das Pilotprojekt von TU-Studenten und Stadt soll vor allem zeigen, wie man bisherige Parkplätze anders nutzen kann. Die Eisstockbahn am Walchenseeplatz soll bis zum 30. April stehen bleiben. Vier Parkplätze fallen währenddessen weg. Die Bahn an der Entenbachstraße ist nur bis 31. März genehmigt, hier geht es lediglich um einen regulären Parkplatz.
Bei den Bahnen handelt es sich um Holzkonstruktionen, die passgenau von einem Schreiner eingebaut werden sollen. Mit einer Länge von zehn Metern „eher eine Spaßvariante“, so Sebastian Preiß vom Projektteam. Dazu wird es ein Regal mit Eisstöcken geben. Für die Schlösser ist eine Zahlenkombination vorgesehen, die man sich online auf einer Webseite holen kann.
Die Winterstockbahnen sind Teil des Projekts „aqt“: Autoreduzierte Quartiere. Es soll ein Test sein, wie man den individuellen Pkw-Besitz und -gebrauch deutlich reduzieren kann. „Wir wollen aber nicht einfach Tatsachen schaffen und Parkplätze wegnehmen, sondern zeigen, was man anderes auf dem Straßenraum machen kann“, erklärt Preiß.
Angedacht sind attraktive und konsumfreie Angebote auf bisherigen Straßen und Parkplätzen. Die Winterstockbahnen könnten im Sommer auch als Boulebahnen genutzt werden.
Beim Infotermin am Walchenseeplatz sind die Meinungen geteilt. Die Bahn selbst ist nicht das Thema, die wegfallenden Parkplätze schon. Vor allem die älteren Anwohner wollen das nicht einsehen. „Warum auf der Straße, wir haben doch den Park direkt vor der Haustür?“, erklärt eine ältere Dame. Sie sei aufs Auto angewiesen. Es seien im Viertel ein Mobilitätspunkt und eine Carsharing-Station geplant, meint Preiß. „Dann richten Sie doch erst einmal das ein, bevor Sie schon den zweiten Schritt machen“, findet eine Anwohnerin.
Auch solche Meinungen sind der Projektgruppe, zu der neben der Stadtverwaltung und der TU auch die Stadtwerke, der E-Roller-Verleih Tier und Autoverleiher Sixt gehören, wichtig. „Wie nehmen die Anwohner das Angebot auf, kann man zu einem anderen Umgang im öffentlichen Raum finden, wird Rücksicht genommen, wie profitiert die Nachbarschaft?“ Das alles sind wichtige Punkte, erklärt Mareike Schmidt von der Projektleitung. Auch Missbrauch wäre eine – wenn auch traurige – Lehre. „Vielleicht sind einige Anwohner ja auch froh, wenn da nur Autos parken.“
Beide Bahnen öffnen am Freitag, 3. Februar, um 14 Uhr. Gespielt werden kann täglich von 9 bis 20 Uhr. Das Projektteam ist dann vor Ort und beantwortet Fragen. CARMEN ICK-DIETL