Gestrandet mit der Scholzomatin

von Redaktion

VON JOHANNES LÖHR

Die Pressekonferenz zum Starkbieranstich (Freitag ab 19 Uhr im Bayerischen Fernsehen) ist im Grunde schon vorbei, als Paulaner-Sprecherin Birgit Zacher noch einen Gast ankündigt. Auftritt Norgauer, die Olaf Scholz in ihrer Maske frappierend ähnelt. Mit bedächtigem Wippen beginnt sie eine typische Kanzleransprache, bei der einem in kürzester Zeit die Lider schwer werden, spricht davon, ihre Kollegen könnten bei der Salvator-Probe „wertvolle Impulse mit auf den Weg nehmen“. Hinter ihr schüttelt’s Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, Fasten-Prediger Maxi Schafroth und die Singspiel-Autoren Stefan Betz und Richard Oehmann vor Lachen.

Eine Frau als Nockherberg-Kanzler: Das hat schon viel Schönes. Gerade nach 16 Jahren Merkel und angesichts der Tatsache, dass deren als „Scholzomat“ verulkter Nachfolger auch kein Ausbund an Esprit ist. Sie habe sich der reduzierten Gestik und Mimik von Scholz Schritt für Schritt angenähert, gibt Norgauer zu Protokoll. Und sie verrät: Beim Singspiel 2022, das wegen des Ukraine-Kriegs abgesagt wurde, hätte sie Heidi Klum gespielt. „Da habe ich mir pausenlos ,Germany’s next Top-Model‘-Folgen angesehen, diesmal eben Scholz-Interviews.“ Was schrecklicher war, kann die Schauspielerin nicht sagen.

Wer solche Allzweckwaffen hat – Norgauer doubelte zudem bereits Ursula von der Leyen, Andrea Nahles und Natascha Kohnen –, der kann entspannt sein. Und genau so wirken Betz und Oehmann auch, obwohl das Singspiel nun schon drei Mal ausgefallen ist – erst pandemiebedingt, dann wegen der Invasion in die Ukraine. Die Autoren erzählen, wie gut gerade die Neuen sich auf der Nockherberg-Bühne zurechtfänden: Christian Pfeil sehe FDP-Chef Christian Lindner zum Verwechseln ähnlich, auch Thomas Limpinsel sei ein großartiger Robert Habeck. David Zimmerschied als Friedrich Merz: „Ich weiß nicht, woher der so viel Humor hat“, sagt Betz augenzwinkernd über den Sohn von Kabarettist Sigi Zimmerschied. Und der neue Söder? „Thomas Unger macht es natürlich anders als Stephan Zinner – aber genauso gut.“ Sina Reiß (Katharina Schulze) und Stefan Murr (Hubert Aiwanger) seien eh eine sichere Bank.

Die Story des Stücks: Sie alle werden auf einer einsamen Insel stranden. Eine Bruchlandung mit dem Flugzeug auf der Mission, zwielichtige Wüstenstaaten um Öl anzubetteln. Auf dem Eiland entspinnt sich dann eine Handlung, die Oehmann bündig auf den Punkt bringt: „miteinander, gegeneinander, durcheinander“. Insbesondere die Rollen von Lindner und Habeck hätten sich praktisch wie von selbst geschrieben.

Freilich: Diesmal spielen nur wenige bayerische Politiker eine Rolle. „Früher hatten wir mit Seehofer und Scheuer noch so ein paar richtig unbekümmerte Schmarrnbenes im Kabinett“, sagt Oehmann. Das fehle. „Aber wir haben das große Glück, dass Markus Söder Landtagswahlkampf gegen die Bundesregierung macht“, gibt Betz zu bedenken. „Wir hätten auch noch gerne mehr Frauen gehabt“, bedauert Oehmann. „Könnten sich bitte mehr Frauen in der Politik unangenehm bemerkbar machen?“

Den Krieg in der Ukraine werden die Satiriker nicht behandeln. Und auch Paulaner-Chef Steinfatt betont, eine kurzfristige Absage wie 2022 komme diesmal nicht infrage. Eine Konzession gab es nur für König Fußball. Eigentlich findet das Derblecken mittwochs statt. Diesmal hat man es auf Freitag vorverlegt, weil der FC Bayern Paris Saint-Germain in der Allianz Arena empfängt. „Wir wollten nicht, dass der halbe Saal ins Handy schaut“, sagt Steinfatt. „Dafür ist unser Singspiel zu gut.“

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