Maxi Schafroth (38) geht in sein fünftes Jahr als Fastenprediger auf dem Nockherberg. Pandemie und Ukrainekrieg sorgten aber dafür, dass es erst seine zweite Predigt vor vollem Haus wird. Im Gespräch mit dem Merkur spricht der Kabarettist über die Vorfreude und darüber, wie Lachen und Leid zusammengeht.
Nach zwei Absagen und dem digitalen Nockherberg: Wie sehr lechzt das Kabarettistenherz danach, wieder live zu derblecken?
Sehr. Das ist der Grund, warum ich diesen Beruf mache. Ich merke auch bei meinen Bühnenprogrammen, dass alles wieder normaler ist. Man hat nicht mehr so sehr das eine Thema Pandemie im Hinterkopf. Wir sind zwar aus der einen Misere raus und mit dem Krieg in die andere hineingerutscht. Aber zumindest kann man das wieder vor vielen Leuten thematisieren. Das habe ich sehr vermisst.
Wie muss man sich das Vorstellen, wenn Maxi Schafroth eine Fastenrede schreibt?
Ich bin ein Kaffeehaus-Schreiber. Es gibt zwei Cafés in München, in denen ich dann sitze. Bei denen will ich mich entschuldigen, weil ich den ganzen Tag einen Tisch blockiere und am Ende nur sieben Espresso rumkommen. Aber für mich ist das wie ein Ritual. So als ob ich den Zündschlüssel herumdrehe.
Machen es die aktuellen Krisen schwieriger, das Geschehen humoristisch aufzubereiten?
Humor ist eine Form der Auseinandersetzung mit Leid. Man denkt zwar immer, Lachen und Leid ginge nicht zusammen. Aber wenn man sieht, wie ein Leichenschmaus abläuft… Da darf man dem Menschen das Menschsein nicht vorwerfen. Jeder kennt, dass man es verdrängt, wenn etwas Schlimmes passiert. Das darf natürlich nicht so weit gehen, dass man sich dem Thema nicht stellt. Hier versuche ich, eine Brücke zu schlagen.
Wird der Krieg in der Predigt eine Rolle spielen?
Ich arbeite tatsächlich noch an der Rede und werde mir in den letzten Tagen vor Freitag Gedanken darüber machen. Aus Respekt vor den Kollegen vom Singspiel will ich die Stimmung aber nicht so runterkochen, dass es für die dann schwer wird. Ich versuche einen Spagat.
Söder ist in Bayern derzeit gefühlt wenig präsent, attackiert eher die Ampel im Bund. Beeinflusst das die Fastenpredigt?
Jemand, der ständig nur abfeuert und an nichts ein gutes Haar lässt, der muss es auch ertragen, dass man mal zurückfeuert. Ich bediene mich da durchaus seiner Mittel. Aber im Moment des Abwatschens entsteht auf der emotionalen Ebene auch ein Verbindung von Zuschauer zu Politiker. Das ist paradox, denn man sagt ja etwas Blödes über jemanden. Und trotzdem denkt der Zuschauer: Um Gottes willen, der Arme! Auf emotionaler Ebene schadet der Nockherberg den Politikern nicht. Sonst würden sie nicht kommen. Ich glaube sogar, dass sich im Nachhinein schon so mancher geärgert hat, der nicht da war. Denn es wirkt ganz anders, wenn man jemanden thematisiert, der nicht da ist. So jemand verliert in dem Moment wirklich.
Fastenpredigten enden traditionell versöhnlich. Ist das in der aktuellen Lage vielleicht sogar besonders wichtig?
Das mache ich sowieso immer. Wenn man jemanden kritisiert, dann kann man denjenigen nicht einfach abwatschen und wieder heim schicken, denn dann ändert sich gar nichts. Man muss immer über sich selbst auch nachdenken.
Interview: Andreas Daschner