Patrick Köppchen (42) trägt gerne Hut – immer schon. Dass er selbst mal als Hutmacher arbeiten wird, hätte der frühere Eishockeyprofi aber nie gedacht. Vor drei Jahren eröffnete er mit seinem Spezl Gabriel Schütt (32) das Atelier Fatzke am Platzl.
Eigentlich war sein Weg ein anderer. Aufgewachsen in Berlin jagte er schon mit sieben Jahren dem Puck auf dem Eis hinterher. Bei den Münchner Barons absolvierte er einst sein erstes Erstligaspiel. Es folgten zahlreiche DEL-Stationen, Köppchen wurde zwei Mal Deutscher Meister, nahm an zwei Weltmeisterschaften teil. Zuletzt war der frühere Nationalspieler und ehemalige Verteidiger bei der Düsseldorfer EG unter Vertrag – bis eine schwere Schulterverletzung seine Profikarriere 2019 beendete. Nach 1026 DEL-Spielen. „Danach war ich drauf und dran, Fitnesscoach der Düsseldorfer EG zu werden, hatte schon erste Trainerscheine erworben“, erzählt Köppchen. Doch dann merkte er, dass er eigentlich satt war vom Eishockey, vom Profisport.
Er überlegte, was er sonst so machen könnte: ein Restaurant? Eine Bar vielleicht? Da klingelte Köppchens Telefon. Kumpel Gabriel war dran. „Sein Anruf kam genau zur richtigen Zeit.“
Denn Gabriel Schütt war in einer ähnlichen Situation – er war lange in der Gastronomie tätig und hatte keine Lust mehr dazu. Köppchen und Schütt hatten sich vor neun Jahren bei einer Superbowl-Party in München kennengelernt. Sie wurden Freunde, besuchten sich immer wieder gegenseitig und teilten ihre Leidenschaft für Hüte und Mode. Schütt hatte dabei ein Problmen: „Ich fand Hüte immer toll, habe aber keinen gefunden, der mir wirklich gepasst hat und meinen Vorstellungen entsprach.“
Deshalb beschloss er, sich bei einem Workshop selbst einen Hut zu machen – und war begeistert. Er schwärmte seinem Kumpel Patrick vor, wie viel Spaß es ihm bereitet habe, seinen ersten Hut herzustellen, und fragte ihn, ob er nicht auch Lust darauf hätte. Köppchen hatte!
Beide belegten einen Wochenendkurs in München und suchten sich einen Praktikumsplatz. Ihr Handwerk lernten die Freunde schließlich bei Hutmachern in Australien, Amerika, Österreich und in der Schweiz. „Uns wurde viel Talent attestiert“, sagt Köppchen stolz. Dabei wussten er und sein Kumpel anfangs nicht einmal, wie man eine Nähmaschine bedient – bis sie einen Nähmaschinenkurs belegten.
Kurze Zeit später beschlossen beide, eine Firma zu gründen und Hüte herzustellen. Einfach so, weil sie Lust darauf hatten. Einen Namen für ihren Laden gab es auch schon: „Wir haben uns eigentlich nie mit unseren richtigen Namen angesprochen, sondern immer nur mit dem Spitznamen Fatzke“, sagt Schütt. Deshalb Fatzke!
Mittlerweile gibt es Fatzke-Filzhüte ab 600 Euro, Strohhüte kosten 400 Euro. „Jeder Hut ist ein Unikat“, sagt Köppchen. Perlen, Münzen, Stickereien – alles kann verarbeitet werden. Auch Dirndlstoffe oder alte Jeanshemden. Acht bis zehn Stunden dauert die Herstellung eines Fatzke-Huts. „Aber wir haben zwei relativ lange Trockenzeiten. Insgesamt sind es rund drei Tage, bis ein Hut fertiggestellt ist“, sagt Schütt.
Gefertigt wird nach Termin und vier bis sechs Wochen Vorlaufzeit. Etwa eine Stunde sollten Kunden für die Besprechung mitbringen. Farbe, Krone, Krempe, Design, Dekoration – alles wird sorgfältig ausgesucht. „Wir messen dann bei unseren Kunden nicht nur den Kopfumfang, sondern auch die Kopfform.“ Dafür haben Köppchen und Schütt ein spezielles Gerät.
„So können wir für jeden einen passenden Hut machen. Denn wir sind der festen Überzeugung, dass jedem ein Hut steht“, sagt Köppchen. Er selbst hat etwa 15 Hüte daheim. „Ein schicker Hut ist immer ein schönes Accessoire und komplettiert jedes Outfit.“ TERESA WINTER