Es gibt Rekorde, die sind nicht zum Jubeln, sondern eher zum Weinen. So auch dieser: Die Erhebungen der beiden großen Immobilienportale Immoscout24 und Immowelt zeigen für das erste Quartal 2023 einen drastischen Anstieg der Mietpreise. München überschreitet Immoscout24 zufolge mit einem Quadratmeterpreis von 18,44 Euro sogar erstmals die 18-Euro-Marke.
„Mit Blick auf die Angebotsmieten in den Metropolen sehen wir teilweise historische Entwicklungen”, sagt Gesa Crockford, Geschäftsführerin des Portals. „Wie dramatisch die Entwicklung in den Metropolen tatsächlich ist, wird im Jahresvergleich deutlich: Innerhalb eines Jahres sind die Angebotsmieten im Bestand bis zu zwölf Prozent und im Neubau sogar bis zu 20 Prozent gestiegen. Um aus der Wohnkrise einen Ausweg zu finden, ist Bauen ein Schlüsselelement.“
München verzeichnet laut der Experten mit einem Plus von 2,6 Prozent die zweitgrößte Entwicklung der Angebotsmieten für Bestandswohnungen. Nur in Berlin ist der Anstieg höher. Bayerns Landeshauptstadt liegt aber weiterhin mit deutlichem Abstand vor allen anderen Metropolen. Auch der angebotene Mietpreis für Neubauwohnungen schnellt in ungeahnte Höhen: Nach einem Zuwachs von 4,3 Prozent im ersten Quartal beträgt dieser 22,30 Euro pro Quadratmeter – und liegt damit erstmals über 22 Euro.
Dem Immoscout-Wohnbarometer zufolge ist die Nachfrage nach Bestands-Mietwohnungen seit dem vierten Quartal 2019 deutschlandweit um 30 Prozent gestiegen. Die angebotenen Mietpreise bei Immowelt verhielten sich ähnlich: Auch hier sind sie in zehn von 14 untersuchten Städten gestiegen. Den mit Abstand stärksten Anstieg verzeichnet demnach ebenfalls Berlin. Verglichen mit dem Vorquartal haben sich Bestandswohnungen dort um 22 Prozent verteuert.
Dennoch bricht unsere Landeshauptstadt auch hier wieder alle Negativ-Rekorde: Noch teurer als in der Bundeshauptstadt fallen die Mieten nämlich nur bei uns und in Frankfurt aus. In München sind die Angebote von Bestandswohnungen innerhalb von drei Monaten um drei Prozent gestiegen. Im letzten Quartal des Vorjahres hatten die Mietpreise in der Isarmetropole dagegen noch stagniert.
Mit einem Quadratmeterpreis von aktuell 17,35 Euro bei den auf Immowelt angebotenen Immobilien ist München die mit Abstand kostspieligste Großstadt Deutschlands. Lachen kann hier nur Dortmund: Die Bestandsmieten sind hier um zwei Prozent gesunken – und das bei einem ohnehin vergleichbar niedrigen Preis von durchschnittlich 6,95 Euro pro Quadratmeter.
Der Münchner Mieterverein verstärkt angesichts dieser horrenden Steigerungen seine Forderung an die Politik nach einem Mietenstopp: „Wir wollen für angespannte Wohnungsmärkte wie München, dass die Mieten für sechs Jahre eingefroren werden“, sagt die Vorsitzende Beatrix Zurek. NINA BAUTZ