Es klingt ganz einfach: Ticket kaufen – und mit öffentlichen Verkehrmitteln durch München oder sogar durch ganz Deutschland gondeln. Und das für nur 49 Euro. Der Ansturm ist riesig – über 250 000 Deutschlandtickets wurden allein von der Deutschen Bahn schon verkauft. Dabei gilt das neue Ticket erst ab Mai. Doch die langen Schlangen an den Kundencentern zeigen auch: Viele Menschen brauchen Hilfe. „Für Teile der Gesellschaft gibt es extreme technische Hürden“, sagt Andreas Barth vom Fahrgastverband Pro Bahn. Wer nicht in der digitalen Welt daheim ist, der hat oft das Nachsehen. Das Ticket und seine Tücken – eine Übersicht.
Digitaler Zugang
Das Deutschlandticket ist ein digitales Ticket. „Dass es das Ticket überhaupt analog gibt, liegt nur an der Übergangsfrist“, sagt Barth. Man erwirbt das monatlich kündbare Abo entweder per App als Handyticket oder auf einer Chipkarte. Bis diese im Sommer 2023 aber verfügbar ist, muss man ein Papierticket selber ausdrucken. Wiederum mit Login im Kundenportal der Verkehrsgesellschaft. Für die meisten Menschen machbar – aber eben nicht für alle, sagt Barth. „Nicht jeder hat einen Computer oder einen verlässlichen Zugang zum Drucker.“ Ein Fallstrick, der übrigens für alle Inhaber eines E-Tickets gilt: ein leerer Handy-Akku. Wer sein Handyticket bei einer Fahrkartenkontrolle nicht vorzeigen kann, dem droht mindestens eine Bearbeitungsgebühr.
Abo-Wechsel
Bestehende Abos werden nicht automatisch umgestellt. Ein Wechsel von einem Jahresabo (zum Beispiel Isarcard) zum Deutschlandticket kann online vorgenommen werden. Maria S. versucht seit 3. April von ihrem Jahresabo auf das Deutschlandticket zu wechseln. Bislang erfolglos. Vom MVG-Kundencenter sei sie zum Alten- und Service-Zentrum verwiesen worden. Auch dort konnte man der 72-Jährigen nicht helfen. Mittlerweile weiß sie von einer Dame von der MVG-Hotline: Sie muss über den Login auf der MVG-Seite gehen. „Aber da erscheint bei mir nur eine leere Seite“, sagt sie. Vielleicht der falsche Browser. „Das ist eine Missachtung der Menschen, die eine bestimmte Technik nicht haben“, klagt sie.
Freimonate verfallen
Wer ein Jahresabo hat und zum Deutschlandticket wechseln will, sollte ganz genau hinschauen. Denn für Isarcards im Jahresabo zahlt man nur für zehn Monate. Wenn die beiden Freimonate noch folgen, sei ein Wechsel zum Deutschlandticket nicht sinnvoll, sagt Barth. „Für die Freimonate erfolgt keine Erstattung, sie verfallen unter Umständen.“
Vorsicht bei Zugwahl
Eigentlich können ab 1. Mai alle regionalen Busse und Bahnen in Deutschland mit dem 49-Euro-Ticket genutzt werden. Doch auch hier gibt es Ausnahmen, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind: „Einige Züge können mit dem Deutschlandticket nicht genutzt werden, da sie nicht vom Unternehmen DB Regio, sondern von der DB Fernverkehr betrieben werden“, weiß Barth. Denn auf manchen Streckenabschnitten sind Intercity-Züge unterwegs, die zwar mit Fahrkarten für den Nahverkehr genutzt werden dürfen, aber laut derzeitigen Tarifbestimmungen nicht als Nah- oder Regionalverkehrszüge gelten.
Schufa-Check
Das Ticket wird fast ausschließlich als Online-Abo angeboten, jeden Monat wird also der Betrag, meist per Lastschrift, eingezogen. Beim Lastschriftverfahren gehen die Anbieter gewissermaßen in Vorleistung. Die Anbieter des Tickets wollen sich mit einem Schufa-Check vor möglichen Zahlungsausfällen der Abonnenten schützen. „Da es sich beim Deutschlandticket um ein Abonnement handelt, kann wie bei jedem Abonnement die Bonität der Kundin oder des Kunden natürlich überprüft werden“, teilt ein Sprecher der MVG mit. Auch die Deutsche Bahn führe eine Bonitätsprüfung durch, sagt eine Sprecherin. In den DB-Reisezentren hätten die Kunden aber „die Möglichkeit, das Deutschlandticket für ein Jahr zu erwerben, das sie vor Ort mit Bargeld, EC- oder Kreditkarte bezahlen können“.
Zugbindung bleibt
Das Deutschlandticket ist mit dem Fernverkehr kombinierbar. Wichtig zu wissen: Fahrgäste sind bei dieser Kombination weniger gut abgesichert, als wenn man ein durchgängiges Fernverkehrsticket mit integrierter Nutzung des Nahverkehrs nutzt. Heißt: Verpasst man wegen der Verspätung eines Regionalzugs seinen gebuchten Fernzug (Fahrkarte muss separat gekauft werden), darf man nicht einfach den nächsten Zug nehmen, sondern muss erneut eine Fahrkarte kaufen. „Es muss eine Lösung geben, dass die Leute nicht doppelt bezahlen“, fordert Barth. Auch Verbraucherschützer warnen vor einer Einschränkung von Fahrgastrechten.
Kinder müssen zahlen
Durften bei der Isarcard noch bis zu drei Kinder bis 14 Jahre kostenlos mitfahren, entfällt diese Leistung beim Deutschlandticket. Jedes Kind ab sechs Jahren braucht eine eigene Fahrkarte.