Im Kampf gegen Krebs spielt die Auswahl der Klinik eine entscheidende Rolle. Zu dieser Einschätzung kommt der erfahrene Münchner Tumorspezialist Professor Jens Werner vom LMU Klinikum. „Die aktuelle Studienlage belegt eindeutig Überlebensvorteile für Krebspatienten, die an zertifizierten Krebszentren behandelt werden“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Hier erklärt Werner die Unterschiede im Detail und die Hintergründe.
Bessere Behandlungschancen hätten die Patienten insbesondere bei komplexen Operationen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Speiseröhren- und Magenkrebs, Leberkrebs und Darmkrebs. „Die Studiendaten zeigen für Operationen mit fachübergreifenden Behandlungsteams in Zentren deutlich bessere Ergebnisse – auch mit Blick auf die Langzeit-Überlebensraten und die Lebensqualität der Patienten“, so Werner vor dem 140. Deutschen Chirurgie Kongress, der am Mittwoch in München beginnt. Dabei kommen auch die ermutigenden Fortschritte in der Krebsmedizin zur Sprache.
In Deutschland gibt es derzeit mehr als 1500 von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Krebszentren. Die einzelnen Zentren sind auf der Website OncoMap.de gelistet. Dort gibt es auch eine Suchfunktion für Einrichtungen in Ihrer Region.
Besonders deutlich kristallisieren sich die Behandlungsunterschiede bei Bauchspeicheldrüsenkrebs heraus. Eingriffe am Pankreas – so der Fachbegriff für die Bauchspeicheldrüse – gehören zu den schwierigsten Krebsoperationen. „Das Gewebe des Pankreas ist besonders zart und empfindlich. Nähte halten darin deshalb oft schlecht. Zudem können durch die Verletzungen des Organs beim Operieren aggressive Enzyme wie Lipasen und Proteasen in die Umgebung austreten, die Heilungsstörungen wie Fisteln verursachen. Durch die Verwachsungen des Tumors mit lebenswichtigen Gefäßen sind starke Blutungen häufig, zudem müssen die angrenzenden Organe oft ebenfalls entfernt werden“, erklärt Werner. Vor solchen Eingriffen stehen immer mehr Patienten, denn Bauchspeicheldrüsenkrebs tritt immer häufiger auf.
Gerade bei Bauchspeicheldrüsenkrebs-Operationen hängen die Überlebenschancen entscheidend von der Erfahrung des Operationsteams, von modernen OP- und Therapiemethoden sowie von der Wahl des Krankenhauses ab. Professor Werner: „Im Durchschnitt ist die Sterblichkeit in Deutschland rund um die OP erschreckend hoch, in etwa zehn Prozent. Diese hohe Letalität liegt daran, dass in vielen Kliniken Deutschlands nur wenige Pankreasoperationen durchgeführt werden.“ Dagegen liege die Sterblichkeit in einem Pankreaszentrum bei unter fünf Prozent. Besonders an „High-Volume-Zen-tren“ – das sind Kliniken, die mehr als 50 Eingriffe im Jahr durchführen – sinkt die Sterblichkeit sogar auf zwei bis vier Prozent.
Vor dem Hintergrund dieser schockierenden Zahlen fordert der Münchner Klinikdirektor, dass Pankreaskarzinome in Deutschland nur noch in Zentren operiert werden. ANDREAS BEEZ