Reicherts späte Reue

von Redaktion

VON ANDREAS THIEME

„Ich bitte alle Münchner aus ganzem Herzen um Entschuldigung“, sagte Reichert am Freitag mit fester Stimme. „Ich bin seit 25 Jahren Wirt und weiß um die Verantwortung. Ich verspreche Ihnen: Auf die Qualität im Donisl und der Bräurosl ist und war Verlass.“

Das sah das Kreisverwaltungsreferat zuletzt anders. Lebensmittelkontrolleure hatten im September 2022 im Festzelt Bräurosl sowie im Februar im Donisl am Marienplatz Hygienemängel festgestellt. Daraufhin leitete die Staatsanwaltschaft München I ein Ermittlungsverfahren gegen Reichert ein. Ende März wurde es mit einem Strafbefehl des Amtsgerichts abgeschlossen: Demnach muss der Wirt mehrere tausend Euro Strafe zahlen.

Dagegen wehrte er sich erneut: „In beiden Betrieben wurden nie Waren oder Lebensmittel, die schlecht oder verdorben waren, verarbeitet oder in Umlauf gebracht“, beteuerte Reichert. Er kaufe „nur beste Qualität“ und achte „auf hervorragende Verarbeitung“. Daher sei „die Strafe unangemessen“.

Fakt ist aber: 14 Monate lang wurde gegen Reichert ermittelt. Er soll in zwei Fällen „vorsätzlich Lebensmittel in den Verkehr gebracht haben, die für den Verzehr durch Menschen ungeeignet sind“, sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Sie korrigiert Reichert in einem Punkt: „Inhalt des Strafbefehls ist nicht das Inverkehrbringen von verdorbenen Lebensmitteln, sondern gravierende Hygienemängel bis hin zu Schädlingsbefall.“

Reichert verspricht: „Wir haben an uns gearbeitet und unseren bisherigen Standard der Hygiene noch mal erweitert.“ Man könne „von einer Qualitätsoffensive sprechen“. Tatsächlich waren Kontrolleure des KVR im April erneut bei Reichert – sie seien „begeistert“ gewesen, sagt der Wirt.

Das bestätigt das KVR in dieser Klarheit nicht, sondern spricht lediglich von einer „positiven Entwicklung“ im Fall von Reichert. Aber: Gegen ihn sei anlässlich des Strafbefehls „nochmals eine Zuverlässigkeitsprüfung gestartet worden“, sagt Sprecherin Stefanie Strehler. Das Ergebnis sei noch offen. Im März bescheinigte das KVR Reichert noch die Zuverlässigkeit, als es um dessen Handgemenge auf der Wiesn mit einem Mitarbeiter ging. „Es tut mir sehr, sehr leid, dass es dazu gekommen ist“, zeigte der Wirt am Freitag späte Reue. „Die Menschen, die mich kennen, die wissen, dass das nicht meine Art ist.“ Schon eine Stunde nach dem Vorfall habe er sich wieder mit dem Mitarbeiter vertragen.

Wie geht es weiter? Legt Reichert, wie angekündigt, bis 25. April Einspruch gegen den Strafbefehl ein, kommt es zum Prozess am Amtsgericht.

Reichert hofft indes, dass er heuer wieder Wiesn-Wirt ist. Offiziell hatte sich die Brauerei Hacker-Pschorr mit ihm als Wirt bei der Stadt beworben. Hacker-Pschorr setze „höchste Qualitätsstandards voraus“, sagt Sprecher Johannes Rieger. „Diese erwarten wir auch von Peter Reichert und haben das auch ihm gegenüber mit Nachdruck kommuniziert.“

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