Streik ohne Chaos

von Redaktion

Pendler haben sich auf Streikmaßnahmen eingestellt

VON JULIAN LIMMER

Verwaiste Bahnsteige – und das zur Hauptverkehrszeit: Der Warnstreik bei der Deutschen Bahn war am Freitag auch in München unübersehbar. Bei der Münchner S-Bahn ging von drei Uhr bis nach elf Uhr gar nichts mehr. Alle Züge fielen aus – auch die Linien Richtung Flughafen. Erst gegen 11.25 Uhr lief der Verkehr auf der S-Bahn-Stammstrecke langsam wieder an. Bis in den Nachmittag hinein kam es zu Verspätungen und Einschränkungen.

Zum bundesweiten Warnstreik aufgerufen hatte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Beteiligt waren neben Lokführern auch Fahrdienstleiter und Servicepersonal. Immerhin: Anders als beim vergangenen Warnstreik Ende März konnten die Münchner dieses Mal auf andere öffentliche Verkehrsmittel wie Tram, Bus und U-Bahn ausweichen. Die Mitarbeiter der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) waren nicht zum Streik aufgerufen. Trotz vieler Fahrgäste, die von S-Bahn auf die MVG auswichen, sei es zu keinen übermäßig überfüllten Bahnen oder längeren Wartezeiten gekommen, sagte ein Sprecher.

Das ganz große Verkehrschaos blieb aus, zumindest innerhalb der Stadt. Anders sah es im Nah- und Fernverkehr aus: Der Streik hat in Bayern zwischen drei und elf Uhr praktisch den gesamten Bahnverkehr lahmgelegt: Vom Münchner Hauptbahnhof aus fuhr bis elf Uhr kein Zug ab – die Empfangshalle blieb dementsprechend leer. Der Fernverkehr lief erst wieder gegen 13 Uhr an.

An den Gleisen im Münchner Hauptbahnhof versammelten sich am Vormittag indes rund 150 Bahnmitarbeiter in Warnwesten, die auf einer EVG-Kundgebung ihren Forderungen Nachdruck verleihen wollten. Aus Sicht vom Geschäftsstellenleiter der EVG in München, Isidoro Peronace, war der Warnstreik ein „maximaler Erfolg.“ Rund 3100 Bahnmitarbeiter hätten sich allein in München und Oberbayern an dem Ausstand beteiligt – für ganz Bayern schätzt Peronace die Teilnehmerzahl auf 5000 bis 6000. „Wir meinen es ernst, das soll die Bahn spüren,“ sagt er.

Hintergrund: Die EVG fordert in den Verhandlungen mit der Branche für die Beschäftigten mindestens 650 Euro mehr pro Monat oder zwölf Prozent bei den oberen Einkommen sowie eine Laufzeit von zwölf Monaten für den Tarifvertrag. Am kommenden Dienstag soll eine weitere Verhandlungsrunde mit der Deutschen Bahn stattfinden.

Diese zeigte sich zuletzt offen, der Gewerkschaft Angebote zu machen – eine Einigung kam jedoch nicht zustande. Vor diesem Hintergrund kritisierte der Personalchef der Bahn, Martin Seiler, den Warnstreik im Vorfeld als völlig „unnütz und unnötig“. „Die EVG hat Maß und Mitte komplett verloren und setzt nur auf Krawall“, sagte er.

Neben der Deutschen Bahn verhandelt die EVG auch mit weiteren Bahnunternehmen wie der Transdev, die etwa die Bayerische Oberlandbahn (BOB) betreibt. Sollten die Verhandlungen mit allen Beteiligten in den nächsten Wochen keine Ergebnisse bringen, schließt die EVG weitere Streiks nicht aus, sagte Isidoro Peronace.

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