Ausverkauf im Traditionsgeschäft

von Redaktion

Jeans Kaltenbach insolvent – Bis 20. Mai muss alles raus

Sie ist nicht zu übersehen, die leuchtend rote Folie am Schaufenster von Jeans Kaltenbach. „Räumungsverkauf wegen Geschäftsauflösung!“, steht in weißer Schrift darauf. Jetzt gibt’s satte Rabatte. Denn alles muss raus – der Laden in der Herzogspitalstraße sperrt am 20. Mai nach 70 Jahren zu. Seit 23. März läuft der Ausverkauf.

Drinnen, am Eingang an der Kasse, steht Norbert Kaltenbach. Er führt den Familienbetrieb in zweiter Generation – und kämpfte mit seinem Team seit Jahren um die Existenz. Vor zwei Jahren schloss die Filiale in der Sendlinger Straße – Insolvenz. Und nun gehen auch in der Herzogspitalstraße die Lichter aus.

Noch ist das Geschäft offen und noch ist viel zu tun, das lenkt ab. „Schlimm wird’s erst, wenn wir den blauen Schriftzug an der Hausfassade abmontieren“, sagt Kaltenbach. Denn das ist der letzte Schritt, dann ist der Traditionsladen endgültig Geschichte.

Bis dahin sucht Klaus Schneider (62) noch Schnäppchen. „Ich muss Hosen im Geschäft anprobieren und ich schätze die persönliche Beratung“, sagt er, als er im ersten Stock eine Jeans aus einem Regal zieht.

Währenddessen nimmt Beatrice Adam im Erdgeschoss ein graues Oberteil von der Stange. „Ich bin öfter hier“, so die Münchnerin (55). Auch sie bedauert die Schließung. „Ich finde hier immer wieder einzigartige Stücke, die es bei den großen Ketten nicht gibt.“

Wenige Meter entfernt von ihr sucht Cornelia Povel (66) ein Oberteil. Mit Jeans Kaltenbach schließt eine Institution, sagt die Münchnerin. „So darf es nicht weitergehen.“ Sie findet: Die Politik sollte sich dafür einsetzen, dass kleine Läden erhalten bleiben. „Ich kaufe nur im Geschäft ein – und wer das macht, kauft bewusster. Das halte ich für den richtigen Weg.“

Die Entscheidung, zuzusperren, ist Norbert Kaltenbach sehr schwergefallen – aber es hilft nichts. Er hofft nun, dass bis zum 20. Mai noch einige Kunden vorbeikommen. An den ersten drei Ausverkauf-Tagen sei sehr viel los gewesen, erzählt er. Danach ebbte die Welle ab. Einige ehemalige Mitarbeiter arbeiten schon woanders. Deswegen ist der Laden nun nur noch mittwochs bis samstags (10 bis 18 Uhr) geöffnet. R. MITTERMEIER

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