Bahn frei für die Radler

von Redaktion

A96 und Mittlerer Ring gesperrt – 17 000 Pedalritter bei Sternfahrt auf München unterwegs

VON LINA ZEHETMAIR

Rauf aufs Radl: 17 000 Fahrradfahrer haben laut Polizeiangaben am Sonntag mit einer Sternfahrt aus dem gesamten Münchner Umland bis zum Königsplatz das bayerische Radl-Volksbegehren unterstützt. Angemeldet waren 8000. Und erstmals führte eine der Routen der Sternfahrt auch über die Autobahn – über ein kleines Stück der A96 in München. Bahn frei für die Radler also.

Die Startpunkte der Sternfahrt waren teils weit von München entfernt – in Augsburg, Rosenheim, Weilheim oder Freising. Organisiert hatte sie der Fahrradclub ADFC. Die Teilnehmer wollen das Radl-Volksbegehren unterstützen. Das wurde von mehr als 100 000 Bürgern beantragt. Die Initiatoren wollen erreichen, dass ein bayerisches Radgesetz erlassen wird. Ziel ist der Neu-, Um- und Ausbau sowie die Sanierung von Radwegen. Unsere Reporterin Lina Zehetmair schwang sich aufs Radl und rollte mit. Ihr Bericht:

Mit zehn Stundenkilometern über die Autobahn rollen? Heute geht das! Zusammen mit tausenden anderen Radlern trete ich am Sonntag in die Pedale. Auf der großen ADFC-Radsternfahrt. Und dafür wurden sogar gut drei Kilometer der A96 für den Autoverkehr gesperrt. Von Sendling bis zur Ausfahrt Blumenau. Wenn ich mich umblicke, sehe ich nur zufriedene Gesichter. „Schön, oder?“, ruft jemand seinem Zweirad-Nachbarn zu. Das zu Beginn am frühen Morgen regnerische Wetter? Es stört hier niemanden.

Die rollende Demo-Welle dient aber weniger dem Spaß. Es geht um die Zukunft der Radler. Sie fordern: bessere Bedingungen in ganz Bayern. „Die Sicherheit für Fahrradfahrer muss verbessert werden. Ich versuche, immer mit dem Radl zu meiner Arbeit am Stiglmaierplatz zu fahren“, erzählt beispielsweise Brigitte Leiblein aus Pasing – und fügt an: „Fast täglich werde ich von einem aus der Querstraße kommenden Auto geschnitten. Es muss mehr ausgeschilderte Fahrradwege geben!“, fordert sie.

Damit ist sie wahrlich nicht alleine. Egal, ob Eltern mit ihren Kleinen im Radlsitz, Senioren oder Studenten, alle strampeln mit. Gemeinsam geht’s für die riesige Gruppe über die A96, später dann weiter zum Königsplatz. Einige Demonstranten spielen während der Fahrt Musik über Lautsprecherboxen ab. „Da die Radler immer vor den Autos zurückstecken müssen, fühlt es sich richtig toll an, mal die Rollen zu tauschen. Wir fahren über die Autobahn und Autos müssen warten“, erklärt Alicia Miklautsch (27) begeistert. Das Ganze sei aber keine Gaudi – hier gehe es um die Umwelt. Und um die Zukunft.

Rentnerin Uta Wagner tritt von Aubing bis ins Stadtzentrum in die Pedale. Seit Jahren setzt sie sich für Münchens Radler ein. Durch diese große Demo will sie endlich was ändern. Sie hofft: „Die Stadt soll erkennen, wie sehr uns Bürgern das Thema am Herzen liegt. Wir wollen endlich mehr Sicherheit.“

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