Bahn frei für 49 Euro

von Redaktion

VON SOPHIA OBERHUBER

Die Türen schließen, bitte einsteigen – und das nun erstmals bundesweit für 49 Euro im Monat. Am Montag ging das Deutschlandticket an den Start. Am Münchner Hauptbahnhof wuselte es am 1. Mai, gleichzeitig ein Feiertag, dementsprechend nur so vor Reisenden mit kleinem und großem Gepäck, Kinderwagen und Brotzeittüten. Doch trotz all der Freude über das neue Angebot gab es vor allem beim Kauf des Tickets weiterhin Probleme.

Es ist später Vormittag. Rita Holzbauer steigt mit ihrem blauen E-Bike in die Bahn nach Rosenheim. Auf ihrem Handy mit dabei: die digitale Version des 49-Euro-Tickets. „Ich mache viele Städtereisen – vor allem mit dem Zug“, sagt die 58-Jährige. Nach dem Neun-Euro-Ticket im Sommer habe sie sich daher sehr auf die neue Fahrkarte gefreut. In einigen Wochen geht es für Holzbauer nach Leipzig. Mit den Regionalbahnen dauere die Fahrt nur eine Stunde länger als mit der Schnellverbindung. Weniger als eine Stunde ist die Plattlingerin am Montag nach Rosenheim unterwegs. Dort will sie die Stadt erkunden und an den Simssee radeln. Der Zug ist voll. Um Holzbauers Rad manövrieren andere Fahrgäste ihre Koffer.

Ganz so viel los ist in der Bahn einige Gleise weiter nicht. Noemi Agoston sitzt am Fenster. Zusammen mit Freunden fährt sie nach Augsburg und besucht ein türkisches Streetfood-Festival. „Es war sofort klar, dass ich mir das Ticket kaufen werden“, sagt sie und zeigt die digitale Version auf ihrem Handy. Freundin Christina Gardali hat sich für das physische Ticket entschieden.

So auch viele andere Münchnerinnen und Münchner. Von 120 000 Kunden der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die in den ersten drei Aprilwochen ein Deutschland-Abo abgeschlossen haben, hat sich die Hälfte die physische Fahrkarte gekauft. Die Papierkarte ersetzt vorübergehend die offizielle Chipkarte, da die Vorbereitungen hierfür laut MVG noch nicht abgeschlossen seien. Die Chipkarten sollen schließlich im Sommer versandt werden. Insgesamt erwartet der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen neben etwa elf Millionen Bestandskunden, die von ihren bisherigen Abos zum Deutschlandticket wechseln werden, bis zu sechs Millionen neue Abonnentinnen und Abonnenten.

Weder ein digitales noch ein physisches Deutschland-Abo hat Boris H. bisher ergattert. Der Münchner ist am Montagmittag zusammen mit Augustine A. auf dem Weg nach Kaufering zum Maibaum-Aufstellen. Bei der MVG sei das Ticket erst wieder zum 1. Juni verfügbar. Die Server der Deutschen Bahn am Tag der Ticket-Premiere: zeitweise überlastet. Auf der Website der Deutschen Bahn hieß es, dass es wegen der hohen Nachfrage zu Störungen kommen könne. „Es geht gar nichts“, sagt der 42-Jährige.

Ähnlich die Situation am Samstag, kurz vor dem offiziellen Start des neuen Angebots, am Marienplatz. Kunden überrannten die dortige MVG-Verkaufsstelle förmlich. Eine etwa 200 Meter lange Warteschlange wand sich laut dpa durch das Zwischengeschoss. Mehrere Fahrgäste sagten gegenüber der Nachrichtenagentur, sie hätten gut zweieinhalb Stunden gewartet, bis sie schließlich an der Reihe waren.

Entspannter konnte es da Augustine A. angehen: Sie hatte rechtzeitig ein Ticket erwischt und nutzte es direkt am ersten Gültigkeitstag voller Vorfreude aufs Maibaum-Aufstellen.

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