Flügelbahnhof weicht Büroturm

von Redaktion

Stadt billigt Bebauungsplan – Denkmalschützer protestieren und schalten Umwelthilfe ein

Unter Denkmalschützern regt sich quasi in letzter Sekunde Widerstand gegen Abrisspläne für den Starnberger Flügelbahnhof. Die Bahn will den 1949/50 gebauten Bahnhof abreißen und stattdessen ein fünfgeschossiges Bürogebäude bauen, auf dem ein Büroturm mit weiteren zwölf Stockwerken aufsetzt. Der Planungsausschuss des Stadtrats genehmigte jetzt mit einer Gegenstimme den Bebauungsplan, voraussichtlich am 17. Mai tagt der Stadtrat.

„Wir sind sehr unglücklich darüber, dass die Stadt so entschieden hat“, sagte Elke Wendrich, Innenarchitektin und Sprecherin des Denkmalnetzes Bayern, unserer Zeitung. Auch der Teilabriss des Hauptbahnhofs sei höchst problematisch. In einer früheren Stellungnahme hatte das Denkmalnetz geschrieben, es befürchte „die baldige Umsetzung eines kaum mehr aufhaltbaren Zerstörungswerks an zwei bedeutenden bayerischen Baudenkmälern durch die vereinten Kräfte von Bahn, Eisenbahnbundesamt, Freistaat und Kommune“. Das Denkmalnetz kümmert sich um gefährdete Gebäude mit Erinnerungswert, auch wenn sie nicht formal als Denkmal gelistet sind. Der Flügelbahnhof ist als Denkmal klassifiziert, doch weil die Aufnahme in die Bayerische Denkmalliste erst nach Start des Bebauungsplan-Verfahrens geschah, verhindert dies den Abriss nicht. Wendrich sagt, die Stadt hätte im Vorhinein prüfen müssen, ob der Bahnhof ein Denkmal sein könnte.

Ob das Denkmalnetzwerk sein Verbandsklagerecht nutzt und gegen den Abriss vor Gericht vorgeht, „ist noch nicht klar“, sagte Wendrich. Auch Karl Hofmann, 87-jähriger Veteran der Initiative Münchner Architektur und Kultur, gibt nicht auf. Er hat die Deutsche Umwelthilfe eingeschaltet. Die DUH fordert, die Genehmigung von Gebäudeabrissen an eine Analyse der Umwelt- und Klimawirkungen zu koppeln. Sie hat eine Liste mit „absurden Negativbeispielen“ veröffentlicht und um weitere Zusendungen gebeten – Hofmann hat gleich acht Beispiele eingereicht, darunter neben den Bahnhöfen auch das Hotel Königshof und das Arabella-Hochhaus. Er nennt den Vorstoß der Umwelthilfe „eine erfreuliche Initiative gegen die immer noch laufenden Abriss-Orgien“.

Auch Pro Bahn hatte gegen den Abriss der Bahnhöfe protestiert – es sei immer schlecht, wenn Bahngrund für Büros „entwidmet“ werde, wie es im Bebauungsplan vorgesehen ist. Doch bisher laufen alle Planungen weiter. Allerdings wurde der Abrisstermin wie berichtet nach hinten geschoben – statt 2023 könnte es erst 2025 so weit sein. Der Neubau wird wohl erst 2029 oder später fertig. DIRK WALTER

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