Peter Reichert soll Wiesn-Wirt bleiben. Dies schlägt die Verwaltung nach Informationen unserer Zeitung vor. Der Stadtrat entscheidet kommende Woche über die Vergabe der Oktoberfest-Zelte. Reichert hatte 2022 erstmals die „Bräurosl“ betrieben. Die Brauerei Hacker-Pschorr hatte sich abermals mit ihm als Festwirt beworben – obwohl sich Peter Reichert mit mehreren Vorwürfen konfrontiert sah.
So war der Wirt bei der vergangenen Wiesn in eine Schlägerei mit einem Mitarbeiter verwickelt. Außerdem hatten Lebensmittelkontrolleure des Kreisverwaltungsreferats (KVR) in der Bräurosl sowie im Februar 2022 in seinem Lokal „Donisl“ am Marienplatz Hygienemängel festgestellt. Daraufhin leitete die Staatsanwaltschaft München I ein Ermittlungsverfahren gegen Reichert ein. Ende März wurde es mit einem Strafbefehl des Amtsgerichts abgeschlossen. Demnach muss der Wirt mehrere tausend Euro Strafe zahlen. Gegen diesen Strafbefehl hat der Wirt Einspruch eingelegt. Er versichere, weder in der „Bräurosl“ noch im „Donisl“ jemals schlechte oder verdorbene Lebensmittel verarbeitet oder in Umlauf gebracht zu haben, erklärte der Wiesn-Wirt.
Das KVR bescheinigt Reichert nun die gastronomische Zuverlässigkeit, was Behördensprecherin Stefanie Strehler auf Nachfrage bestätigt: „Nach aktuellem Stand gilt er als zuverlässig.“ Diese Einschätzung bildet die Grundlage für den Vorschlag des Wirtschaftsreferats, dass Reichert wieder den Zuschlag für die „Bräurosl“ erhält. Es heißt, juristisch betrachtet bleibe keine andere Möglichkeit. Bereits vor zwei Wochen sprach das KVR von einer „positiven Entwicklung“ im Fall von Reichert. Im März hatte die Ordnungsbehörde Reichert ebenso die Zuverlässigkeit attestiert, als es um dessen Handgemenge auf der Wiesn mit einem Mitarbeiter ging.
Dem Vernehmen nach soll es bei der Vergabe aller anderen Wiesn-Zelte keine Überraschung oder Änderung geben. Spannend wird unterdessen, wie es im Streit um vermeintlich sexistische und rassistische Motive auf dem Oktoberfest weitergeht. Das Wirtschaftsreferat unter Federführung von Clemens Baumgärtner (CSU) sieht im Sinne der Kunstfreiheit keine Handhabe, dagegen vorzugehen – und will statt Zwang auf pragmatische Lösungen hinwirken.
Konkret geht es um eine Schaustellerbude, die mit einem Bild bemalt ist, auf der ein Schwarzer einer Frau das Dirndl hochzieht und ihr auf den Hintern schaut. Außerdem um ein Fahrgeschäft, bei dem ein Südsee-Insulaner eine spärlich bekleidete Frau begafft. Die Grünen im Rathaus, an der Spitze Bürgermeisterin Katrin Habenschaden, wollen diese Darstellungen verbieten oder zumindest übermalen lassen. Zuletzt hatte Habenschaden vorgeschlagen, die Stadt könnte die betroffenen Schausteller bei der Umgestaltung dieser Motive finanziell unterstützen.