Es wackelt in der Münchner Innenstadt. Über jedem zehnten Geschäft schwebt das Damoklesschwert einer möglichen Schließung. Das zeigt eine neue Studie, die gestern vorgestellt wurde: die Münchner City-Befragungen. Dabei wurden die Aussagen von rund 1000 Kunden und 141 Innenstadt-Händlern analysiert. Unter anderem sollten sie sagen, was ihnen an München gefällt – und was nicht. Das Ergebnis: Fast zwei Drittel der Händler finden, das Umfeld ihrer Innenstadt-Filiale habe sich in den letzten fünf Jahren verschlechtert. Sie fordern zum Beispiel, es müsste weniger Baustellen und Sperrungen geben – und eine bessere Erreichbarkeit mit dem Auto.
Eine Reihe von Läden hat in der jüngeren Vergangenheit schon aufgegeben, die Gründe sind vielfältig. Aktuell läuft zum Beispiel der Schlussverkauf bei Jeans Kaltenbach – nach 70 Jahren. Unter anderem liegt das daran, dass viele Kunden mittlerweile lieber online kaufen. Corona hat diesen Trend, der ohnehin schon da war, nochmals verstärkt.
Das war auch die Zielrichtung für die neue Studie: herauszufinden, wie es nach der Pandemie um den Innenstadt-Handel steht. Die Untersuchung sollte eine Antwort liefern. Auftraggeber waren der Handelsverband Bayern, die Günter Rid Stiftung für Bayerns Einzelhandel und der Verein Citypartner der Münchner Innenstadt-Händler. Die Stadt München, die sich natürlich um ihre gute Stube kümmert, hat die Studie bezuschusst. Durchgeführt wurde die Untersuchung von der BBE Handelsberatung zwischen Dezember und März.
Ergebnis: Die Münchner müssen sich darauf einstellen, dass die Innenstadt ihr Gesicht deutlich ändern wird. Zehn Prozent der Unternehmen planen im Lauf der nächsten zwei Jahre, ihren Standort zu schließen. Auf der anderen Seite wollen fast genauso viele ihren Innenstadt-Standort ausbauen.
Was die Kunden angeht, so fahren gut 40 Prozent der unter 24-Jährigen mittlerweile öfter ins Zentrum als noch vor fünf Jahren. Aber es gibt Luft nach oben: Viele Kunden hätten es gern sauberer und nicht so überfüllt. Die meisten Händler beklagen in München die hohen Mieten und fehlende Sitzgelegenheiten.
Citypartner-Geschäftsführer Wolfgang Fischer fordert vor allem, die Lieferanten zu berücksichtigen. Denn auch von ihnen hänge eine lebendige Innenstadt der Zukunft ab: „Wir brauchen Lösungen, die zu unserer Stadt passen.“ Ein begrünter Marienplatz sei wegen der U-Bahn-Geschosse darunter unmöglich, aber Sonnensegel könnten für Abkühlung sorgen, sagt Fischer. Das wurde im vergangenen Sommer bereits diskutiert.