Alle feiern am 24. Juni die Regenbogen-Community, doch die CSU darf nicht mitmachen. Denn die Veranstalter haben den Antrag der Christsozialen, mit einem Wagen am Christopher Street Day (CSD) teilzunehmen, abgelehnt. „Die Partei geht nicht konform mit unseren Zielen und Forderungen“, heißt es aus dem Organisationsteam.
Darüber empören sich jetzt nicht nur die Lesben und Schwulen in der Bundesunion (LSU), sondern auch Dietmar Holzapfel, der Gastwirt des Münchner Schwulen- und Queer-Treffs Deutsche Eiche. Er will den Umzug der LGBTQ-Gemeinde sogar boykottieren, wenn die CSU nicht mitfahren darf.
Laut LSU ist die Absage der Organisatoren an die CSU politisch motiviert. Schließlich sind in Bayern im Herbst Landtagswahlen. „Die parteipolitischen Sympathien von CSD-Organisatoren gelten auch in anderen Bundesländern meist nicht der Union“, sagt LSU-Bundessprecher Matthias Eitenbenz, „gerade in Wahlkampfjahren zeigt sich das.“
Der Vorwurf, dass die CSU queerfeindlich sei, gelte nicht mehr. Schließlich sei die Ehe für alle in das Grundsatzprogramm aufgenommen worden. Außerdem seien die Haltungen nicht so kategorisch wie dargestellt. Gegen die umstrittene Drag-Lesung in der Bogenhausener Stadtbücherei, die im Juni stattfinden soll, sei etwa von Seiten der LSU überhaupt nichts einzuwenden. „Wir sehen keine generelle Kindesgefährdung.“
Auch Dietmar Holzapfel weist darauf hin, dass die CSU sich der LGBTQ-Gemeinschaft gegenüber geöffnet hat. Unter anderem habe Ministerpräsident Söder im März einen Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit angekündigt. „Wenn die CSU sich öffnet, darf man sie nicht ausschließen. Wir Queere sind gegen Diskriminierung, deshalb dürfen wir nicht selbst diskriminieren. Die Deutsche Eiche macht bei so etwas nicht mit. Es tut weh, aber wenn es beim Ausschluss bleibt, nehmen wir nicht mit einem Wagen am CSD teil.“
Die Situation ist äußerst verfahren. Allerdings kommen die CSU im Stadtrat und die CSD-Organisatoren am Dienstag im Rathaus zu einem Gespräch zusammen. Am selben Tag debatiert auch der Bezirksausschuss Bogenhausen, über die Absage der Drag-Lesung.