Schon wieder Streik

von Redaktion

VON JULIAN LIMMER

Wieder Streiktag in München, wieder stehen Trams, U-Bahnen und viele Busse still. Verdi hat für heute Warnstreiks im Nahverkehr in ganz Bayern angekündigt –gestreikt wird von Freitag 3.30 Uhr, bis Samstag, 3.30 Uhr. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) rechnet mit erheblichen Streik-Folgen.

Die U-Bahnen werden zunächst komplett stillstehen. Ob es im Lauf des Tages vereinzelt Fahrten geben wird, hängt von der Zahl des verfügbaren Personals ab. Die Priorität soll dann auf der U6 liegen. Ähnliches ist für die Trambahnen zu erwarten. Einsatzbereite Züge würden auf einzelne Linien konzentriert – bevorzugt werde hier die 20er. Bei den Bussen geht die MVG davon aus, dass etwa die Hälfte der Fahrzeuge zum Einsatz kommt.

Die S-Bahn wird grundsätzlich fahren – sie wird nicht von der MVG betrieben, sondern von der Bahn. Der heutige Streik betrifft neben München auch Augsburg, Landshut, Bayreuth, Schweinfurt, Bamberg, Nürnberg, Fürth und Regensburg.

Warum eigentlich schon wieder? Denn bereits am 2. und 3. März sowie am 27. März waren unter anderen die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bestreikt worden. Wie damals geht es weiterhin um die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Nahverkehr in Bayern. Trotz fünf Verhandlungsrunden konnten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber wie die Stadtwerke bisher nicht einigen. „Die logische Folge sind diese Warnstreiks“, sagt Sinan Öztürk von Verdi.

Für die Verantwortlichen von SWM und MVG kaum nachvollziehbar: „Dass nun wieder gestreikt werden soll, steht im krassen Gegensatz zur zuletzt sehr konstruktiven Atmosphäre“, sagt MVG-Chef Ingo Wortmann. Denn eigentlich sei man sich in der Hauptsache schon einig gewesen: beim Verdienst, heißt es von den SWM. Im Raum steht eine Übernahme des jüngsten Tarifabschlusses (TVöD) im öffentlichen Dienst auch für die Verkehrsbetriebe.

Ende April hatten sich Bund, Kommunen und Gewerkschaften auf einen Kompromiss geeinigt: Unter anderem soll für Beschäftigte – etwa Erzieher, Feuerwehrleute und Krankenpfleger – der Lohn nächstes Jahr zunächst um 200 Euro und anschließend noch einmal um 5,5 Prozent erhöht werden, mindestens um 340 Euro pro Monat. Das wurde auch für die Verkehrsbetriebe in Bayern besprochen – für sie gilt ein eigener Tarifvertrag: „Das hätte immerhin bis zu 14 Prozent Lohnerhöhung für unser Fahrpersonal bedeutet“, sagt Wortmann. Mit den Lohnerhöhungen sei Verdi durchaus einverstanden, auch wenn es für die hohen Lebenskosten in München immer noch zu wenig sei, sagt Gewerkschaftssekretär Franz Schütz, der für Verdi in München an den Verhandlungen beteiligt ist. „Es geht jedoch nicht nur ums Geld, es geht auch um die Arbeitsbedingungen.“

Diese sind aber nicht Teil der aktuellen Verhandlungen. Und darin liegt die Krux. Denn die Laufzeit des Tarifabschlusses betrüge 24 Monate – weitere Verhandlungen wären für diese Zeit ausgeschlossen. Das will Verdi für den öffentlichen Nahverkehr in Bayern nicht akzeptieren. „Wir wollen eine kürzere Laufzeit, damit wir Anfang nächsten Jahres dann über die Arbeitsbedingungen verhandeln können“, sagt Schütz. Das versucht Verdi mit dem Warnstreik nun zu erreichen.

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