Erinnerungen an den Speicheltest

von Redaktion

Puh, das war ein kleiner Schocker. Ich war im März 2014 gerade dabei, von Laim nach Schwabing zu ziehen. Ein vorletztes Mal wollte ich in meiner alten Wohnung vorbeischauen, ob für die Übergabe alles passt. Ergebnis: In der Wohnung hat alles gepasst, aber nicht im Briefkasten. Denn dort lag ein Brief der Kriminalpolizei: Melden Sie sich bitte sofort bei uns! Mein Herzschlag erreichte ungeahnte Höhe. Sofort überlegte ich, in welches Verbrechen ich verwickelt sein könnte. Oder ob jemand vermisst wird, der mir am Herzen liegt. Mir war mulmig, als ich ein paar Minuten später bei der angegebenen Nummer angerufen habe. Der Beamte am Telefon meinte, ich solle zur Speichelprobe kommen. Das habe ich gemacht. Der Isarmord ist zehn Jahre her, mein Termin bei der Kripo über neun Jahre. Der Mörder hat sich bei der Tat selbst verletzt – deswegen gab es auch eine DNA-Probe. Tausende Menschen haben die Mordermittler überprüft und 5800 Speichelproben entnommen. Ich fragte, warum sie mich zur Speichelprobe ausgewählt haben. Der Polizist sagte, dass sie Handynutzer ausfindig gemacht haben, die zur fraglichen Zeit in Funkzellen rund um den Tatort eingeloggt waren – tausende Geräte. Ich habe gefragt, ob er sich bei mir meldet, was bei dem Speicheltest rauskommt. Er schmunzelte – und sagte: „Wenn Sie nichts von uns hören, dann waren Sie es nicht.“ STEFAN SESSLER

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