Hofpfisterei muss Filialen schließen

von Redaktion

VON SOPHIA OBERHUBER UND JULIAN LIMMER

Die Hofpfisterei gibt es seit knapp 700 Jahren – heute schmückt sie mit ihrem blau-weißen Logo viele Ecken der Stadt. Doch nun musste das Unternehmen mehrere Filialen im Stadtgebiet schließen. Der Grund: Der Bäckerei geht das Personal aus. Wie es von der Firma heißt, werden im Juni voraussichtlich weitere Geschäfte dicht gemacht.

Statt auf frische Öko-Bauernbrote blickt man derzeit am Schaufenster der Müllerstraße 51 auf ein Plakat. Darauf steht: „Leider schließen wir personalbedingt unsere Filiale“. Ein Hinweis hängt auch im Schaufenster der Hofpfisterei-Filiale an der Barer Straße, genauso wie in der Hohenzollernstraße – alle drei Filialen gibt es nicht mehr.

Dem anhaltenden Personalmangel habe man zunächst damit entgegenwirken wollen, einige Filialen schon nachmittags zu schließen, teilt Unternehmenssprecher Thomas Lillpopp mit. Das habe aber nicht gereicht und sei zudem für Kunden unpraktisch gewesen. So sperrt die Hofpfisterei einzelne Verkaufsstellen jetzt komplett zu. „Um die Personalbesetzungsprobleme zu lösen, schließen wir einzelne kleinere und absatzschwächere Filialen und verlagern das dadurch frei gewordene Personal auf die anderen Filialstandorte, um dann wieder zuverlässige, ganztägige Öffnungszeiten zu haben“, heißt es von Lillpopp weiter.

Mit dem Problem ist die Hofpfisterei nicht alleine: „Die Personalsituation ist allgemein sehr angespannt. Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt, die Zahl der Meisterschülerinnen und Meisterschüler geht zurück“, sagt Stephan Kopp, Geschäftsführer des Landes-Innungsverbandes für das bayerische Bäckerhandwerk. Und vor allem im Verkauf gebe es schon seit Langem „einen extremen Personalmangel“. So verschwinden in Bayern jährlich rund 2300 Handwerksbäckereien. Oft fänden Traditionsbäckereien auch keine Nachfolger mehr, das Interesse am Handwerk sei insgesamt ein Stück weit zurück gegangen, sagt Kopp.

Bei der Hofpfisterei gibt es jedoch nicht nur mit Blick auf das Personal Probleme. Auch beim Umsatz verzeichnet die Großbäckerei laut Sprecher Lillpopp Einbußen. Infolge der Inflation habe die Kundenzahl abgenommen. 157 eigene Filialen betreibt die Hofpfisterei, 88 davon in Stadt und Landkreis München. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, müsse, so Lillpopp, jeder einzelne Standort dahingehend überprüft werden, ob sich die Filiale noch lohnt.

Das bedeute aber nicht immer das komplette Aus von Geschäften, sondern auch Umzüge an einen neuen Standort in der näheren Umgebung seien geplant. So soll laut Lillpopp statt der Filiale an der Müllerstraße Ende des Jahres in der Nähe ein neuer Laden eröffnen. Von der Strategie erhoffe sich das Unternehmen einen positiven Effekt – damit die lange Tradition noch viele Jahre weitergehen kann.

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